Samstag, 28. Juli 2001

"So ist städtischer Guerillakampf eben"

Krieg in Genua: Die Bilder der Verwüstung
Der Tod von Carlo Giuliani

In der aktuellen Ausgabe des Nachrichtenmagazins FORMAT äußert sich Italiens Außenminister Renato Ruggiero über den G-8-Gipfel und die Kritik an der italienischen Exekutive: "So ist städtischer Guerillakampf eben".

FORMAT: Alle, auch Sie, sagen, dass man unter den Globalisierungsgegnern zwischen den friedlichen und gewaltbereiten genau unterscheiden muss. In Genua hat das offensichtlich überhaupt nicht funktioniert. Wer ist schuld daran?
RUGGIERO: Also darüber weiß ich wirklich nicht Bescheid.

FORMAT: War es eher die Polizei, oder waren es die pazifistischen Gruppen, die nicht aufgepasst haben?
RUGGIERO: Das Problem war doch, dass sich die Randalierer vom Schwarzen Block unter die friedlichen Demonstranten gemischt haben. Danach war es schwierig, zu unterscheiden. Das ist eben ein Teil des normalen städtischen Guerillakampfes.

FORMAT: Aus ganz Europa – Deutschland, Frankreich, Großbritannien – kommt Kritik am Verhalten der italienischen Polizei. Die internationale Presse ist voll davon.
RUGGIERO: Die Zeitungen mögen voll sein, aber das kommt nicht von den Regierungen. Die haben nicht kritisiert, sondern um Informationen gebeten. Das ist völlig legitim, deshalb haben sie diese Informationen auch erhalten. Es gibt in Wahrheit überhaupt keine Kritik.

FORMAT: Warum stimmt Ihre Regierung einem parlamentarischen Untersuchungsausschuss, wie er von der Mitte-Links-Opposition verlangt wurde, nicht zu?
RUGGIERO: Die Opposition muss sich entscheiden: Sie kann nicht ein Misstrauensvotum gegen den Innenminister für Anfang August ankündigen und gleichzeitig einen Untersuchungsausschuss verlangen, der erst im September zu arbeiten beginnen könnte. Wenn sich die Linke aber dazu entschließen kann, ihren Misstrauensantrag zurückzuziehen, dann könnte eine der Regierungsparteien, Forza Italia oder Alleanza Nazionale, dem Ausschuss vielleicht doch zustimmen.

Die gesamte Hintergrund-Story zu den Krawallen rund um den G-8-Gipfel lesen Sie in der aktuellen Ausgabe von FORMAT.

28.7.2001 17:08