Der Philosoph im FORMAT-Interview

Mit seinem Essay über die „Irrtümer der Gedenkpolitik“ hauchte der Wiener Philosoph Rudolf Burger der Debatte um die Vergangenheitsbewältigung neues Leben ein. Die provokanten Thesen thematisieren die heikle und brisante Frage, wie sich die Gesellschaft dem Vermächtnis der NS-Verbrechen stellen soll. FORMAT bat Burger zu einem ausführlichen Gespräch.
FORMAT: Herr Burger, Ihr „Plädoyer für das Vergessen“ hat mächtig Staub aufgewirbelt. Wie viele Freundschaften hat Sie dieser selbst eingestandene „Tabubruch“ gekostet?
Burger: Ich würde eher umgekehrt rechnen: Wie viele sind übriggeblieben?
FORMAT: Wie wenige?
Burger: Zwei. Ich will Ihnen nicht sagen, welche, weil sonst kommen die auch noch in die Bredouille. Jetzt weichen mir Leute aus, gehen über die Straße, wenn ich ihnen entgegenkomme.
FORMAT: Glauben Sie, jetzt in den Augen Ihrer Kritiker als Verräter zu gelten?
Burger: Ja, das hängt mit der Familiarisierung des Landes zusammen. Wenn man abweichende Positionen vertritt oder eine zur Stereotype aufgebaute ideologische Blase ansticht, dann ist das Ketzerei. Insofern ist das Land sehr unmodern, denn wissenschaftstheoretisch vertrete ich die These, die Modernität eines Gedankensystems erkennt man daran, daß es nicht häresiefähig ist. Es gibt zwar Irrtümer, die kommentiert oder wieder widerlegt werden, aber in ihnen liegt kein moralisches Versagen, sie sind nicht Ketzerei, kein Verrat am Heil.
FORMAT: Sie gehen aber nicht soweit, sich jetzt verfolgt zu fühlen?
Burger: Aber nein. Das ist ein großes Wort. Es ist vielleicht kränkend. Es gibt zum Beispiel einen Text mit der Überschrift: „Schafft endlich Rudolf Burger ab“. Ich lege das ab, ich hab’ kein Problem damit. Nur, stellen Sie sich vor, das sagt ein FPÖ-Politiker: Das geht durch die Weltpresse als Mordaufruf. Nicht, dass ich mich jetzt verfolgt fühlte, aber es ist schon eigentümlich, wie verzerrt die Dinge wahrgenommen werden.
Das gesamte Interview und die Story über den Streit "Erinnern oder vergessen" lesen Sie im aktuellen FORMAT.
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