Globalisierungsgegner haben andere Sprache

Italiens Außenminister Renato Ruggiero ist mit seiner österreichischen Amtskollegin Benita Ferrero-Waldner (V) in Wien zusammengetroffen. Im Mittelpunkt stand das Thema "G-8-Gipfel in Genua".
Der italienische Außenminister Renato Ruggiero hat bei seinen Gesprächen in Wien bedauert, dass "die wichtigen Inhalte und Ergebnisse" in der Berichterstattung über den G-8-Gipfel in Genua untergegangen seien. Die Medien hätten sich in ihren Berichten durchwegs auf die Aktionen der Globalisierungsgegner konzentriert und über die politischen und wirtschaftlichen Ergebnisse kaum berichtet, klagte Ruggiero am Freitag bei einem Arbeitsessen mit Außenministerin Benita Ferrero-Waldner - wobei er sich direkt an anwesende Medienvertreter wandte und sich auch deren Standpunkt anhörte.
Eine fundamentale Botschaft des G-8-Gipfels war laut Ruggiero, dass der Westen in Russland und China keine Feindbilder mehr sehe. Auch der bei der Bonner Klimakonferenz erzielte Kompromiss sei letztlich dem Einwirken der G-8-Führer zuzuschreiben. In den Medien sei auch kaum die bedeutsame Botschaft an die ärmsten Länder der Welt zum Ausdruck gekommen. Diesen wurden große Hilfen zugesagt, andererseits aber auch klargemacht, dass diese an die Bedingung demokratischer Regierungen und des Kampf gegen die Korruption geknüpft seien.
"Die Welt hat sich dramatisch verändert, die Interdependenzen sind gestiegen", so Ruggiero. Bei den Gegnern der Globalisierung habe man es mit neuen Generationen zu tun, die "andere Werte haben und eine andere Sprache sprechen". Es gehe darum, Antworten auf die zunehmend verflochtene Welt zu finden. Der Übergang von nationalen zu europäischen und zu globalen Konzepten schaffe Unsicherheit. Zugleich bedürfe es neuer Institutionen: "Die Debatte über die Institutionen ist eröffnet."
Ferrero-Waldner meinte, viele junge Menschen "verstehen den Sinn der Globalisierung nicht". Transparenz und Bürgernähe seien gefordert. Die Politik müsse nach Wegen suchen, um die Globalisierungsgegner einzubinden. Doch könne man keinen Dialog führen, wenn Gewalt als Mittel eingesetzt werde.
Beide Minister würdigten die ausgezeichneten gutnachbarlichen Beziehungen, wobei der italienische Außenminister anmerkte, dass die bilateralen Beziehungen immer mehr zu europäischen Beziehungen im Rahmen der EU werden. Ferrero-Waldner hob "die sehr positiven pro-europäischen Ideen" Italiens und das hohe Maß an Übereinstimmung in der Sicht von Konfliktherden wie Mazedonien hervor. Ruggiero stellte fest. "Europa wurde aus einer Notwendigkeit heraus geschaffen", nicht einfach als politischer Willensakt. Dies gelte auch für die gemeinsame Währung Euro, die dem Devaluierungswettbewerb entgegenwirke, so der internationale Wirtschaftsexperte.
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