Mittwoch, 25. Juli 2001

Kanada: Export sauberer Energieträger anrechnen

Zwischen Kanada und der Europäischen Union droht nach kanadischen Angaben ein neuer Streit über die Reduzierung von Treibhausgasen. Kanadas Umweltminister David Anderson sagte am Dienstag in Ottawa, sein Land werde vorschlagen, dass der Export von saubereren Energieträgern wie Erdgas angerechnet werden sollte.

Die EU lehnt dies ab. Am Mittwoch sollten sich die Vertreter der Teilnehmerstaaten der Weltklimakonferenz in Bonn formell auf den am Montag geschlossenen Kompromiss zum Kyoto-Abkommen einigen. Am Dienstagabend war über einzelne Textpassagen noch diskutiert worden.

Kanada solle davon profitieren, dass im Nordwesten der USA einige Kraftwerke von der Verfeuerung von Kohle auf Erdgas umgestiegen seien, sagte Anderson. "Das logische Vorgehen besteht darin, alles zu unterstützen, was den Ausstoß von Treibhausgasen in die Atmosphäre senkt", sagte er. Wo Kanada auf unlogisches Verhalten treffe, werde seine Regierung kämpfen. Kanada und die EU hatten sich monatelang bereits über die Frage gestritten, ob die Aufnahme von Kohlendioxid zum Beispiel durch Wälder berücksichtigt werden sollte. Die EU hatte am Montag schließlich Zugeständnisse in diesem Punkt gemacht. Kanada gehört zu den drei Ländern mit den größten pro Kopf Ausstoß von Treibhausgasen.

Aus Diplomatenkreisen in Bonn verlautete am Dienstag, es werde über den genauen Wortlaut des Kompromisstextes noch diskutiert. Es werde jedoch eine Einigung erzielt werden. Der niederländische Konferenzpräsident Jan Pronk sagte zu der Vereinbarung: "Sie wird angenommen. Es gibt nur technische Fragen." Die USA erklärten erneut, sie würden nicht versuchen, das Abkommen zu behindern. US-Präsident George W. Bush hatte das Kyoto-Abkommen im März aufgekündigt. Die USA, weltweit der größte Verursacher von Treibhausgasen, waren bei der Bonner Konferenz praktisch isoliert.

Bei der Weltklimakonferenz hatten sich die Delegationen von etwa 180 Ländern am Montag in Bonn auf einen Kompromiss verständigt, der die Umsetzung des 1997 im japanischen Kyoto geschlossenen Abkommens ermöglichen soll. Darin hatten sich die Industrieländer verpflichtet, den Ausstoß an Treibhausgasen bis 2012 um 5,2 Prozent unter den Stand von 1990 zu senken.

25.7.2001 09:16