Weingartner will Übergangs-Gremium

Der Innsbrucker Bürgermeister Herwig Van Staa kann sich die Nachfolge von Ferdinand Eberle als Chef der von einer Personaldebatte gebeutelten Tiroler ÖVP vorstellen: "Ich bin bereit, wenn man meint, dass ich gebraucht werde". Dann werde er sich nicht verschließen."
Eine Einschränkung trifft Van Staa jedoch. Er sei eine "sehr selbstbewusste und eigenständige Person". Daher sei es natürlich "nicht sehr einfach, alles mitzutragen, was ich an Programmen vertrete", so der Innsbrucker Bürgermeister.
Van Staat gilt als einer der Top-Favoriten für die Nachfolge Eberles, der sein Amt im Herbst bei einem Sonderparteitag der Tiroler ÖVP übergeben will. Andere mögliche Kandidaten sind Landes-ÖAAB-Chef Günther Platter und Landesrätin Elisabeth Zanon-zur Nedden. Der streitbare AK-Präsident Tirols Fritz Dinkhauser stünde nur als Landeshauptmann-Kandidat zur Verfügung: "Ich kann mir vorstellen, dass ich auch für so eine Aufgabe gewachsen bin", so Dinkhauser.
Weingartner will Übergangs-Gremium
Im Streit an der Tiroler VP-Spitze plädiert Landshauptmann Wendelin Weingartner nun offenbar für eine rasche Ablöse von Landesparteichef Ferdinand Eberle. Seiner Meinung nach sollte ein Führungsgremium mit mehreren Personen die Führungsaufgaben bis zu einem Parteitag im Herbst übernehmen. Eberle habe deutlich gemacht, dass er nicht mehr zur Verfügung stehe. Daher müsse man nun mit ihm reden. Schließlich sei auch Eberle sicher an einer Stabilisierung interessiert, meinte der Landeshauptmann. Weingartner selbst will nicht an die Spitze der Tiroler ÖVP zurückkehren.
Für den Landeshauptmann geht es nun darum, in Ruhe den Parteitag vorzubereiten. Dieser müsse einen neuen Aufbruch bedeuten, Schmutzwäsche solle nicht gewaschen werden. Fällig sei ein Konsensparteitag: "Einen Streitparteitag brauchen wir sicher nicht". Beim Parteitag sollte man ganz genau wissen, was Wähler und Funktionäre wünschen. Dass damit nur ein Kandidat antreten könne, bedeute dies nicht. Ein Wettbewerb sei möglich, nicht aber Streit. Gefragt sei jedenfalls Besonnenheit und nicht Eile.
Eberle will bis zum Herbst bleiben
Eberle selbst will die Partei ja bis zu einem Sonderparteitag im Herbst weiter führen. Davon hält sein Kontrahent Weingartner offenbar nichts: "Ich glaube, dass Kollege Eberle deutlich gemacht hat, dass er nicht mehr zur Verfügung und steht und das ist fix". Der Landeschef habe sich diesbezüglich deutlich geäußert: "Ich weiß, dass Ferdinand Eberle sein Wort hält".
Offen wollte Weingartner die Dissonanzen rund um die Zukunft der Landes-Hypo nicht hoch spielen. Der Landeshauptmann verwies darauf, dass die Zusammenarbeit mit Eberle während der letzten zehn Jahre bestens funktioniert habe. Daher könne aus seiner Sicht auch jetzt noch die Chemie wiederhergestellt werden.
Seitenhieb Weingartners
Einen Seitenhieb in Richtung seines Nachfolgers als Landeschef verkniff sich Weingartner dennoch nicht. Gefragt nach den Ambitionen Eberles, schon relativ früh auch die Landeshauptmann-Würde zu übernehmen sprach Weingartner von einem Fehler. Eile sei in diesem Fall ein "relativ schlechter Ratgeber" gewesen. Immerhin habe die ÖVP auch ein wenig dank ihm bei den Landtagswahlen 1999 gut abgeschnitten. Wenn man nun nach eineinhalb Jahren den Landeshauptmann getauscht hätte, wäre dies auch ein "Verrat am Wähler" gewesen.
An die Parteispitze zurückkehren will Weingartner nicht. Man sollte Mute haben, in die nächste Generation zu gehen. Er werde aber gerne mitarbeiten, die Partei zu stabilisieren. Auf Spekulationen, wer künftig die Landespartei führen soll, wollte sich der Landeshauptmann nicht einlassen. Als Mitglieder des Übergangsgremiums nannte er die Stellvertreter Eberles, die VP-Landesräte sowie den Landtagspräsidenten und den VP-Klubobmann.
Dinkhauser bevorzugt Neuwahlen
Wesentlich radikaler äußert sich unterdessen der Tiroler AK-Präsident Fritz Dinkhauser. Aus seiner Sicht ist der Riss in der Partei "nicht mehr zu kitten". Er würde überhaupt Neuwahlen bevorzugen: "Das wäre das Gescheiteste".
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