Freitag, 27. Juli 2001

Die Vorwürfe: Plünderung und Sachbeschädigung

Rechtsanwalt Andrea Sandra, der die Österreicher in Genua vertritt, schließt nicht aus, dass seine Mandanten an isolierten Gewaltaktionen beim G-8-Gipfel teilgenommen haben könnten. Die bisher vorgelegten Beweise reichten jedoch nicht für eine Anklage aus, so Sandra.

Einige Stöcke und Gasmasken, die bei der Festnahme der Aktivisten bei ihnen beschlagnahmt worden waren, seien allerdings kein Beweis, um ihnen Verbindungen zur Anarchistengruppe „Black Block“ vorzuwerfen.

Der Rechtsanwalt bestritt auch die Vorwürfe der Staatsanwälte, seine Mandanten seien per Bus auf Landstraßen nach Deutschland unterwegs gewesen, um Polizeikontrollen auf der Autobahn zu vermeiden. Sandra: "Aus Geldnöten hat die Theatergruppe beschlossen, auf Landstrassen zu fahren, um die Autobahnmauten nicht zahlen zu müssen." In dem Bus waren auch drei US-Bürger, zwei Slowaken, ein Australier, ein Deutscher und eine Schwedin unterwegs. Auch sie müssen in U-Haft bleiben.

Keulen und Gasmasken: Requisiten?
Laut den Richtern seien die Keulen, Gasmasken und Messer, die den Österreichern bei der Festnahme abgenommen und beschlagnahmt worden waren, "konkrete Beweise ihrer gewalttätigen Aktivität" und nicht einfach Requisiten für eine Theateraufführung, wie sie behauptet hatten.

Die männlichen Aktivisten befinden sich zur Zeit in der Strafanstalt der Stadt Alessandria (Piemont), die Frauen sitzen im Gefängnis der lombardischen Stadt Voghera. Ihr Rechtsanwalt, Andrea Sandra, will versuchen, sie alle in eine Strafanstalt in Genua zu verlegen. „Sie sind alle unverletzt, wegen des Urteils der Richter sind sie aber sehr deprimiert“, sagte Sandra. Er ist Mitglied eines Pools von Rechtsanwälten und wurde vom Dachverband der friedlichen Globalisierungsgegener "Genoa Social Forum" (GSF) mit der Verteidigung festgenommener Demonstranten beauftragt.

"No border, no nation"
Die 17 Mitglieder der Theatergruppe waren in einem alten Bus mit Wiener Nummernschild unterwegs, der die Aufmerksamkeit der Carabinieri geweckt hatte, während er auf einer kleineren Straße in Recco 15 Kilometer vom Zentrum von Genua entfernt fuhr.

27.7.2001 12:16