Zeichnete 87 Alben mit dem "lonesome cowboy"

Lucky Lukes Vater reitet nicht mehr: Der belgische Comics-Zeichner Maurice De Bevere alias Morris ist am Dienstag im Alter von 77 Jahren nach einem Sturz an einer Embolie gestorben. Morris zeichnete 87 Alben über Lucky Luke, den "lonesome cowboy", der schneller schießt als sein Schatten.
Er ersann mit "Rantanplan" den dümmsten Hund des Westens, mit den Daltons die glückloseste Verbrecherbande der Welt und mit Jolly Jumper den besten vierbeinigen Schachspieler. Morris' Werke wurden in 30 Sprachen übersetzt und weltweit 300 Millionen Mal verkauft.
In einem seiner letzten Alben führte Morris einen fünften Dalton-Bruder ein, seines Zeichens Schweizer Banker. In letzter Zeit arbeitete er an einem neuen Szenario des Schweizers Patrick Nordmann, das unter dem Titel "Lucky Luke gegen Lucky Luke" erscheinen hätte sollen. Bereits sein vorletztes Album, "Der Prophet" (2000), hatte auf einem Szenario von Nordmann basiert.
Morris wurde 1988 von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ausgezeichnet, weil er Lucky Luke 1983 das Rauchen hatte aufgeben lassen. 1992 erhielt er außerdem den Großen Spezialpreis an der Comic-Messe von Angouleme, in Fachkreisen als "Oscar des Comic" betrachtet.
Maurice de Bevere wurde am 1. Dezember 1923 in Courtrai in Belgien geboren. Er lernte im Fernstudium Trickfilmzeichnen und arbeitete seit seinem 20. Altersjahr in einem belgischen Trickfilmstudio. 1945 kam er zum Verlagshaus Dupuis, das die berühmten Comic-Magazine "Spirou" und "Le Moustique" herausgab. Zusammen mit seinen Kollegen Franquin, Jije und Will bildete er dort die sogenannte "Viererbande", die unter anderem auch amerikanische Serien wie Superman und Red Rider übersetzte. Letzterer inspirierte Bevere zu einer europäischeren, komischeren Variante - eben Lucky Luke.
Im Spirou Almanach von Ende 1946 hatte Lucky Luke seinen ersten Auftritt. Nach dem überwältigenden Erfolg erschien 1949 das erste Album "Dig Digger's Gold Mine". Bereits 1948 war Morris, wie er sich inzwischen nannte, zusammen mit Franquin und Jije in die USA abgeflogen, wo er das Land bereiste und unter anderem in New York Rene Goscinny kennenlernte. Morris, Jije und Goscinny besiegelten ihre Freundschaft mit dem Versprechen, von nun an immer eine Fliege zu tragen.
1955 besuchte Goscinny Morris in Belgien. Letzterer hatte gerade ein Album fertiggestellt, in dem er aus der historischen Dalton-Bande vier identisch aussehende Brüder von wachsender Größe und abnehmendem Hirn gemacht hatte. "Warum hast Du diese tollen Figuren umgebracht?", fragte Goscinny. Er schrieb die Folge um und textete fortan alle weiteren bis zu seinem Tod 1977.
Nach Goscinnys Tod arbeitete Morris allein oder mit wechselnden Partnern an Lucky Luke weiter, zuletzt in seinem eigenen Verlag "Lucky Productions". (apa)
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