Freitag, 20. Juli 2001

Die Kult-Band spielt am 26. und 27. Juli in Wien auf

U2: Slideshow

Für 16 Millionen Schilling Gage zeigt die Erfolgs-Partie Publikumsnähe. Und erfreut die österreichischen Fans mit gleich zwei Konzerten in der Wiener Stadthalle. Gitarrist The Edge spricht im NEWS-Interview über "U2-neu", die aktuelle "Elevation"-Tour, religiöse Verehrung, Enttäuschungen und Engagement:"Wir sind keine Polittruppe."

NEWS: Ihre aktuelle Tournee bereitet allen Hymnen zum Trotz auch Enttäuschung: jenen vielen Fans, die ohne Tickets blieben.
The Edge: Die Loyalität unserer Fans ist ein Teufelskreis. Natürlich ist es wunderbar, andererseits wollen wir niemanden enttäuschen. Wir wollten diesmal wieder in Hallen spielen, doch aufgrund unseres Status müssten wir somit wohl in jeder Stadt einen Monat lang spielen. Das kann man doch von niemandem verlangen. Somit mussten wir Kompromisse eingehen: entweder manche Fans enttäuschen oder wieder eine Stadientournee, was wahrscheinlich die noch größere Enttäuschung wäre.

NEWS: Wieso wagen Sie den Weg von der größten Bombastpartie zur „kleinen“ Rock-’n’-Roll-Band?
The Edge: Es ist immer die Musik, die einem den Weg vorgibt. Und unser letztes Album schrie förmlich nach einer abgespeckten Show.

NEWS: Einer Show mit Herz?
The Edge: Genau! Eine Show, bei der endlich einmal nicht die Band, sondern das Publikum im Mittelpunkt steht. Wir wussten anfangs nicht, ob dieses Konzept funktioniert. Auf den Plänen sah alles ja wunderbar und aufregend aus, aber erst das Publikum entscheidet die Praktikabilität. Und glauben Sie mir: Es gibt kein besseres Konzerterlebnis.

NEWS: Der gewohnte U2-Bombast kommt also nie wieder?
The Edge: Das entscheidet auch Zukunft einzig und alleine die Musik. „All That You Can Leave Behind“ ist kein Stadienrock, aber U2 sind eine der wenigen Stadienpartien. Viele andere Bands nützen die Dimensionen nicht. Sowohl mit Zoo TV“ als auch mit „PopMart“ haben wir bewiesen, dass Konzerte durchaus auch Kunst im klassischen Sinn sein können.

NEWS: Die Kritiker unkten dennoch von „FlopMart“ The Edge: Kunst und Kommerz und vor allem deren Verknüpfung ist eine sehr sensible Sache.

NEWS: U2 genießen geradezu religiösen Status. Beängstigend?
The Edge: Nein, wir haben einfach ein sehr enges Verhältnis zu unseren Fans, weil wir zwischen uns und ihnen keine Barriere errichten, sondern unsere Konzerte sozusagen gemeinsam mit ihnen zelebrieren. Das Publikum ist der eigentliche Star unserer Konzerte.

NEWS: U2 gelten als die „größte Band der Welt“.
The Edge: Wir sind schon etwas Besonderes, und wir würden nicht weitermachen, wenn wir nicht immer daran glauben würden, es könnte uns gelingen, die Platte des Jahres oder die Tournee des Jahres zu machen. Trotzdem wähnen wir uns nicht im Wettkampf mit R.E.M. oder den Rolling Stones, weil Musik eben eine sehr subjektive Causa ist. Wen interessiert dieses sinnlose Attribut denn nun wirklich?

NEWS: Hätte U2 als aktuelle Newcomer-Band eine Chance?
The Edge: Ich denke nicht! Wir hatten das Glück, noch in einer Zeit anzufangen, in der die Plattenfirmen einem wenig Geld gaben, dafür jegliche Kontrolle überließen – während heutzutage die meisten Jungbands übermäßig viel Geld, dafür keinerlei Kontrolle erhalten. Wir hatten das Glück, dass wir uns als Band entwickeln durften. Ein Prozess, der heutzutage im Musikbusiness leider verpönt ist.

NEWS: Grenzt es nicht an ein Wunder, dass Sie so lange überleben konnten?
The Edge: Natürlich! Bands sind doch so etwas wie Street-Gangs, Niemand denkt, dass das eine Sache von Dauer ist. Mit 17, 18 erscheint einem die Musik als sinnvolle Lebensgestaltung, doch mit 30 oder 40 hat man eine gänzlich andere Lebenseinstellung. Wir wissen, dass U2 für uns ein Glücksfall ist.

NEWS: Bono gilt längst als Politgröße. Ist sein Engagement für U2 nun Würde oder Bürde?
The Edge: Beides! Er benützt seine Macht als Sprachrohr, und er öffnet somit für die Band ungeahnte Dimensionen. Trotzdem hätten wir ihn in der Vergangenheit lieber öfter im Studio als im TV gesehen.

NEWS: Planen Sie für Österreich etwaige Politaktionen?
The Edge: U2 ist keine Politband, denn wer sich zu viel in die Politik einmischt, wird bald nicht mehr gehört und endet letztendlich als Karikatur. Deshalb versuchen wir nur dort aufzuzeigen, wo es auch Sinn macht, und ich denke, Österreich ist mit all seinen aktuellen Politproblemen bislang sehr gut alleine zurechtgekommen.

NEWS: Glauben Sie, dass es überhaupt noch irgend jemanden gibt, dem U2 kein Begriff ist?
The Edge: Sicher, es gibt da ein paar 100 Millionen Menschen in China, denen wir zu Recht vollkommen egal sind (lacht).

NEWS: Hat man nach knapp 100 Mio. verkauften CDs noch Ziele?
The Edge: Natürlich, denn bei jedem Album denke ich mir, das hätten wir doch noch ein wenig besser machen können. Und solange uns dieses kreative Gefühl treibt, werden wir auch weitermachen. Zudem ist noch verdammt viel Musik in uns, die endlich rausmuss!

Den Fahrplan zum Konzert-Highlight des Jahres lesen sie im aktuellen NEWS

20.7.2001 11:59

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Kino

Der Diktator

Komödie, Satire - USA, 2012

Regie: Larry Charles

Mit: Sacha Baron Cohen, Anna Faris, Megan Fox, John C. Reilly, Ben Kingsley

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