Erotik-Pionierin - Tod nach Lungenentzündung

Beate Uhse, die Gründerin des gleichnamigen Erotikkonzerns, ist tot. Die Unternehmerin verstarb am Montag im Alter von 81 Jahren in einem Schweizer Krankenhaus an einer Lungenentzündung. Sie ist im engsten Familienkreis beigesetzt worden. Beate Uhse ist es gelungen, die Erotikbranche aus der "Schmuddelecke" zu holen. Der Weg dorthin war allerdings steinig.
Uhse gründete ihr Versandunternehmen 1949 und sorgte 1962 mit ihrem ersten Sexshop in Flensburg bundesweit für Aufsehen. Seit 1999 ist die Firma an der Börse notiert. Beate Uhse wirkte bis zu ihrem Tod als Aufsichtsrätin in ihrem Unternehmen mit.
Beate Uhse, die nach der Heirat ihres zweiten Mannes eigentlich Rotermund hieß, galt als eine der wichtigsten Unternehmerpersönlichkeiten nach dem Krieg. 1919 in Ostpreußen geboren erwarb sie mit 18 Jahren den Pilotenschein und wurde im Zweiten Weltkrieg Testpilotin in einem Flugzeugwerk, wo sie für ein Überführungsgeschwader der deutschen Luftwaffe Jagdmaschinen flog.
Nach Kriegsende floh Beate Uhse mit der letzten Maschine aus Berlin und landete in Schleswig-Holstein, wo sie zunächst als Handelsreisende per Fahrrad Spielzeug verkaufte. Doch wirklich gefragt waren nach dem Krieg und vor Erfindung der Anti-Baby-Pille Tipps zur Empfängnisverhütung. Die findige Geschäftsfrau überarbeitete ein kurzes Lehrbuch über den Zyklus der Frau und verlegte es als "Schrift X". Kurze Zeit später begann der Versandhandel von Sex-Artikeln, das Geschäft boomte, der Konzern wuchs und ging 1999 schließlich an die Börse.
900 Beschäftigte - Europas größter Erotik-Konzern
Inzwischen ist das Unternehmen zum größten Erotikkonzern in Europa aufgestiegen und erzielt mit rund 900 Beschäftigen einen Jahresumsatz von über 300 Millionen Mark (153 Mill. Euro/2,11 Mrd. S). Zu den Tätigkeitsfeldern der Firma gehört neben dem Versandhandel mit 11.000 Sex-Artikeln und Erotikshops immer stärker auch das Internet. Seit dem vergangenen Jahr verfügt das Unternehmen zudem über einen Erotikkanal im Pay-TV.
Beate Uhse ging es bereits seit längerem gesundheitlich nicht gut, weshalb sie auch an der jüngsten Hauptversammlung ihres Unternehmens im Juni nicht mehr teilgenommen hatte. Allerdings habe sich das Management bis zuletzt bei ihr Rat geholt, heißt es in dem Unternehmen.
Beate Uhse sei es durch ihr offenes und seriöses Auftreten gelungen, die Erotikbranche aus der "Schmuddelecke" zu holen, hieß es am Mittwoch in einer Aussendung. Dabei war der Weg zum heutigen Unternehmenserfolg steinig. In den fünfziger und sechziger Jahren wurden über 3.000 Ermittlungsverfahren gegen sie angestrengt. Erst die Liberalisierung der Gesetze brachte Beate Uhse 1975 mehr Anerkennung. 1989 wurde ihr anlässlich ihres 70. Geburtstags das deutsche Bundesverdienstkreuz verliehen.
Deutlicher Kursrückgang der Beate-Uhse-Aktie
"Wenn eine Gallionsfigur geht, ist das immer schlecht", sagte ein Händler zur Begründung der Kursrückgänge. Allerdings verwundere der Kursabschlag in Zusammenhang mit dem Tod etwas, weil Beate Uhse zuletzt nicht mehr im operativen Geschäft tätig gewesen sei. Weil die Papiere aber bereits seit einigen Tagen unter Druck stünden, lege dies die Vermutung nahe, dass jemand vielleicht schon früher etwas von Beate Uhses Tod gewusst habe. Die im MDax notierten Aktien gaben bis zum Nachmittag um 5,6 Prozent auf 12,28 Euro (168,98 S) nach.
Wie das Unternehmen mitteilte, soll der frei gewordene Aufsichtsratsposten von Beate Uhse von ihrem Sohn Ulrich Rotermund übernommen werden. Er war zuvor viele Jahre Vorstandschef des Unternehmens.
Am 3. August ist eine öffentliche Trauerfeier in Flensburg geplant.
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