Sonntag, 22. Juli 2001

Europa-Chef Cagni über die Apple-Krise

Apple-Boß Steve Jobs, der bestbezahlte Manager der Welt, hat seine Anhänger enttäuscht. Die Umsätze brechen ein. Erst im Herbst kommt ein neuer iMac auf den Markt.

Pascal Cagni, Europa-Chef von Apple, über die aggressive Preispolitik, das Verhältnis zu Microsoft und die Supergage von Steve Jobs.

FORMAT: Herr Cagni, die PCIndustrie liegt am Boden.Wie wird Apple die Krise meistern?
CAGNI: Uns geht es nach einem schwierigen ersten Quartal gut. Wir haben soeben 61 Millionen Dollar Gewinn gemacht und verfügen mit 4,2 Milliarden Dollar Cash über solide Reserven.

FORMAT: Die Anleger sind zu einem anderen Schluß gekommen. Der Apple-Kurs brach nach Veröffentlichung der Ergebnisse um 17 Prozent ein.
CAGNI: Wir bieten den Aktionären einen soliden Gegenwert. Im derzeitigen Aktienkurs (21 Dollar) sind 12 Dollar Cash enthalten.Wir werden also effektiv mit acht Dollar bewertet. Da gibt es jede Menge Phantasie für den Anleger.

FORMAT: Der iMac, das Apple-Zugpferd, ist mittlerweile in die Jahre gekommen.
CAGNI: Der iMac ist jetzt drei Jahre alt. Sobald das Nachfolgemodell fertig ist, werden wir ordentlich zulegen. Auch das derzeit aktuelle Modell wird sich noch gut verkaufen.Wer sonst bietet diese Ausstattung um 999 Dollar?

FORMAT: Kommt der neue iMac noch vor Weihnachten?
CAGNI: Zum Zeitpunkt sage ich nichts. Er wird kommen, und die Umsätze werden steigen.

FORMAT: Viele PC-Hersteller kündigen Massenentlassungen an. Und Apple?
CAGNI: Wir haben keine Freisetzungen in diesem Ausmaß geplant.

FORMAT: Steve Jobs wurde am Cover des Wirtschaftsmagazins „Fortune“ als bestverdienender Firmenchef gefeiert. Ist das das richtige Signal?
CAGNI: Wir sind nicht für das Cover von „Fortune“ verantwortlich. Die Wahrheit ist aber: Als Steve wieder zu Apple stieß, war das Unternehmen fast bankrott. Mittlerweile hat Apple vier Milliarden Dollar auf der Bank und bietet den Aktionären langfristig solide Ertragsaussichten.

FORMAT: Apple wird als Nischenprodukt gesehen. Nischenhersteller werden häufig übernommen oder verschwinden zur Gänze. Ist Apple allein überlebensfähig?
CAGNI: Wir sprechen eine Zielgruppe von vierzig Prozent aller PC-Käufer an. Da kann man kaum von einem Nischenanbieter sprechen. Wir sind in den Bereichen Ausbildung und Medien hervorragend verankert. Mercedes und BMW haben gemeinsam weniger Marktanteil als wir im PC-Business.

FORMAT: Früher hat Apple Microsoft verteufelt. Später hat sich Microsoft an Apple beteiligt. Mittlerweile präsentiert Microsoft seine Produkte gemeinsam mit Steve Jobs.
CAGNI: Wir haben enormen Respekt vor Microsoft. Andererseits kann uns Microsoft nicht ignorieren. Und so gibt es jetzt ein Office-Paket mit Features, die es nicht einmal für Windows-User gibt.

Die ausführliche Geschichte und alles über die neuen Apple-Produkte lesen Sie im neuen FORMAT

22.7.2001 07:26