Freitag, 20. Juli 2001

Ankerbrot baut um, Müllers Mühle mit im Logo

Die im Besitz der deutschen Müller Brot stehende nach wie vor defizitäre österreichische Ankerbrot AG, Wien, rüstet ihre Geschäfte total um. Vorstand Hasso von Düring will massiv in die Sparte Snack/Imbiss/Coffee-Shop einsteigen. Das wird allerdings nicht ohne Preiserhöhungen passieren.

Nach außen ändert der Konzern seinen Markenauftritt, in Wien schon in einigen Testfilialen zu sehen: Das alte Anker-Zeichen verschwindet ganz, der grafisch neu gestalteten nationalen Wortmarke "Anker" wird eine Mühle mit den Initialen des bayerischen Konzernchefs Hans Müller ("HM") hintangestellt - als "internationalisierungsfähige" Konzern-Dachmarke, die auch auf den deutschen Müller-Brot-Filialen prangen wird. Wie schon im Dezember absehbar nicht gelungen ist im Jahr 2000 die Halbierung des Verlusts, da laut Von Düring Investitionen vorgezogen wurden.

Preiserhöhungen bei Parade-Brotsorten
Einige Brot- und Backwarensorten sind beim heimischen Backwarenmarktführer seit gestern teurer. Von Düring bestätigte am Freitag, dass bei 35 von 364 Artikeln in den Filialen die Preise erhöht wurden, was sich auf das Sortiment mit einem halben Prozent niederschlage. Der Anker-Chef begründete dies mit den deutlich gestiegenen Rohstoffkosten seit letztem Herbst. 9 Brotsorten wurden teurer, darunter Paradesorten wie Ährenbrot oder der "gestaubte Wecken" um 10 Groschen. Nicht verändert wurden u.a. die Kaiser-Semmelpreise. Weitere Preiserhöhungen im Filialbereich sind laut Von Düring nicht vorgesehen, obwohl die jetzige "bei weitem nicht das ist, was wir bräuchten". Nötig wären in der Branche sicher 2 bis 4 Prozent, in der Wettbewerbssituation aber nicht umzusetzen.

Mit der bevorstehenden Euro-Umstellung hätten die diese Woche erfolgten Preiserhöhungen nichts zu tun, betonte der Anker-Boss am Freitag. Gerade in dieser Branche mit den vielen Groschen-bzw. Cent-Beträgen werde das Handling mühsam werden, klar sei, dass der größte Backwarenonzern "kein Umstellungsgewinnler sein darf".

Umbau der Filialen auf 5 bis 10 Jahre ausgelegt
Für den neuen Filialauftritt mit dem neuen Mühlen-Logo nach dem nationalen Namen (in Österreich rot, in Deutschland grün) liefen in Österreich und Deutschland schon ein halbes Dutzend Testfilialen. Zur geplanten Ausweitung des Sortiments in den Filialen auf weitere Imbissmahlzeiten führt der Anker-Chef derzeit Gespräche mit Partnern. Das Konzept sei für Filialausbauten der nächsten 5 bis 10 Jahre ausgelegt, wobei sich das Angebot stark nach Lage und Frequenz richten werde. Vor allem in Tourismus- und Businessstraßen sei der Bereich zwischen Imbissbar und Coffeeshop "das Feld, auf dem wir uns bewegen werden". Die Kompetenz sei in den Backstuben jedenfalls vorhanden.

In den letzten drei Jahren habe sich der Anteil aus dem Verkauf warmer und kalter Snacks am Filialumsatz auf derzeit 30 Prozent verdoppelt, sagte der Anker-Chef. Das zeige klar die neuen Bedürfnisse der Konsumenten auf. Ankerbrot betreibt in Österreich mehr als 300 Filialen, die nun schrittweise weiter umgebaut werden.

Düring: Mit Sanierung können Banken "durchaus zufrieden" sein
Wegen der vorgezogenen Investitionen sei es, wie im Dezember angekündigt, nicht gelungen, im Jahr 2000 den Verlust zu halbieren, sagte Düring weiter. Beim Umsatz sei man nur knapp unter dem Vorjahreswert (2,2 Mrd. S) gelegen. Details will er erst nach der Hauptversammlung Mittwoch nächster Woche nennen. Mit den Sanierungsfortschritten könnten Investoren und Banken aber "durchaus zufrieden" sein. Seit Anfang 2001 sei die Liquiditätslage wieder in Ordnung. Das heurige erste Quartal sei "exzellent" gelaufen.

20.7.2001 14:09