Donnerstag, 19. Juli 2001

EU-Kommission genehmigt Übernahme

Die EU-Kommission hat die Übernahme der Dresdner Bank durch die Allianz genehmigt. "Wir haben heute grünes Licht gegeben", sagte eine Sprecherin der Kommission in Brüssel.

Einzige Auflage für die Allianz ist der ohnehin geplante Abbau ihrer Beteiligung an der Münchener Rück. Das habe der Konzern bereits juristisch verbindlich zugesagt. Durch die Übernahme entsteht der weltweit drittgrößte Finanzkonzern mit mehr als 20 Millionen Kunden in Deutschland und einem verwalteten Vermögen von rund einer Billion Euro (fast 14.000 Mrd. S). Die Aktien der Dresdner Bank werden am Montag aus dem deutschen Blue-Chip-Index DAX herausgenommen.

Der Brüsseler Entscheidung zufolge müssen die Allianz und die Dresdner Bank ihre gemeinsame Beteiligung an der Münchener Rück bis 2003 reduzieren. "Das war ohnehin Teil der Planungen im Zuge der Entflechtung", sagte ein Allianz-Sprecher. Die Allianz habe sich auf Drängen der EU auch schriftlich dazu verpflichtet. Die Anteile beider Häuser an der Münchener Rück und an deren Erstversicherungstochter Ergo sollten auf zusammen 20,5 Prozent von derzeit insgesamt über 30 Prozent verringert werden, teilte die Sprecherin mit. Der durch die Übernahme der Dresdner Bank entstehende Finanzkonzern dürfe bei der Münchener Rück in Zukunft nur noch Stimmrechte gemäß einem Anteil von 20,5 Prozent ausüben, fügte sie hinzu.

Bereits im vergangenen Jahr hatten Allianz und Münchener Rück angekündigt, ihre gegenseitigen Beteiligungen auf 20 von bis dahin 25 Prozent abzubauen. Mit der jetzigen Entflechtung sinkt die Beteiligung der Allianz an der Rück zunächst auf 23 Prozent. Der Rest solle kapitalmarktschonend reduziert werden, sagte der Sprecher. Aus Ergo will die Allianz den Planungen zufolge ohnehin ganz aussteigen.

Allianz-Vorstandschef Henning Schulte-Noelle begrüßte die Entscheidung der EU und kündigte an, die Dresdner Bank rasch in den Konzern integrieren zu wollen. Der Konzern wolle nun sofort daran gehen, sein "Leistungsangebot als integrierter Finanzdienstleister für Altersvorsorge und Vermögensaufbau an den Markt bringen".

Die Allianz hatte am Vorabend ihren Anteil an der Dresdner Bank mit endgültig 96,4 Prozent beziffert, nachdem die freien Aktionäre zu mehr als 92 Prozent das Umtauschangebot des Versicherungskonzerns für ihre Papiere angenommen hatten. Die Dresdner-Bank-Aktionäre erhielten für je zehn ihrer Aktien eine Allianz-Aktie und 200 Euro in bar. Das Angebot, das die Bank mit 29,1 Mrd. Euro bewertet, entsprach zum Kurs vom Donnerstag rund 51,60 Euro je Dresdner-Bank-Aktie und lag damit um mehr als zehn Prozent über dem Kurs, den das Papier vor dem Bekanntwerden des Umtauschangebots Ende März hatte. Ein weiteres Angebot an die restlichen vier Prozent des Grundkapitals sei nicht geplant, hieß es Anfang der Woche in München.

Am formalem Erfolg des Übernahmeangebots hatte kein Zweifel bestanden. Von den nötigen 50 Prozent der Dresdner-Aktien hatte die Allianz bereits im Vorfeld über 20 Prozent gehalten. Weitere 20 Prozent hatte der Konzern in einem Termingeschäft erworben.

An der Börse wird die Dresdner Bank zunächst weiter notiert sein, jedoch nicht mehr in die Berechnung des DAX einfließen. Für die Dresdner Bank rücken die Aktien des Finanzdienstleisters MLP in den DAX auf.

19.7.2001 14:55