Mittwoch, 18. Juli 2001

Gerharter war auf das Urteil nicht vorbereitet

Hermann Gerharter (61) stand das blanke Entsetzen ins Gesicht geschrieben: Der ehemalige Konsum-Generaldirektor muss ein halbes Jahr ins Gefängnis, sollte das Urteil, das am Mittwoch im Wiener Landesgericht gefällt wurde, rechtskräftig werden.

Ein Schöffensenat (Vorsitz: Claudia Ortner) verhängte über den langjährigen Chef des vormaligen "Roten Riesen" wegen betrügerischer Krida 21 Monate Haft, wovon ihm 15 unter Setzung einer dreijährigen Probezeit auf Bewährung nachgesehen wurden. Sein Verteidiger Manfred Ainedter meldete sofort Nichtigkeitsbeschwerde und Berufung an.

Gerharter wirkte nach Urteilsverkündung "gebrochen"
Gerharter war auf die Verurteilung sichtlich nicht vorbereitet. Bei der Urteilsverkündung wirkte er, als hätte ihn ein Keulenschlag getroffen. Auf die Frage, ob er das Urteil verstanden habe, antwortete er mit Grabesstimme und versteinerter Miene: "Nein!" - "Sie werden es dann auch schriftlich bekommen", bemerkte darauf die Richterin. Nach der Verhandlung verließ Gerharter schleunigst das Gerichtsgebäude. Zu einem Kommentar, um den ihn anwesende Journalisten baten, war der gebrochen wirkende Ex-Konsum-Chef nicht mehr in der Lage.

Gerharter wurde im Zusammenhang mit der Konsum-Pleite, die mit einem angemeldeten Gläubigerschaden von 26 Milliarden Schilling (1,89 Mrd. Euro) die bisher größte der Zweiten Republik darstellt, wegen fahrlässiger Krida bereits rechtskräftig zu zehn Monaten bedingt sowie einer Geldbuße von 180.000 Schilling verurteilt.

Die Anklage: Betrügerische Krida
Die Causa hatte mit dem Konsum nur mehr am Rande zu tun. Gerharter soll im Jahr 1995 nach dem Anmelden der Konsum-Insolvenz für seine Villa in Gießhübel ein Belastungs- und Veräußerungsverbot erwirkt haben, nachdem er sie seiner Frau und der gemeinsamen Tochter "überschrieben" hatte. Die Anklagebehörde geht davon aus, dass dies gezielt geschah, um die Rechte seiner Gläubiger zu schädigen bzw. ihre Befriedigung zu verhindern, wurde dieser Schritt doch exakt drei Tage vor der Ausgleichseröfffnung über Gerharters Vermögen durchgeführt. Der frühere Konsum-General hat am ersten Verhandlungstag Ende Mai die gegen ihn erhobenen Vorwürfe vehement bestritten.

18.7.2001 13:59