Dienstag, 17. Juli 2001

Ruf nach schärferen Regeln wächst

Der neue Markt hat eine weitere Pleite: Das Hamburger Softwareunternehmen Management Data AG musste heute Insolvenz anmelden. Mittlerweile gibt es schon eine beträchtliche Gruppe von Neue-Markt-Unternehmen, die wegen der aus den USA herüberschwappenden Krise bei Technologietiteln oder wegen Managementfehlern zahlungsunfähig wurden.

Nach finanziellen Schwierigkeiten ist es der Unternehmensführung von Management Data AG nicht gelungen, bei Investoren kurzfristig neue Mittel zu erhalten. Die Aktie des Unternehmens stürzte nach Bekanntwerden des Insolvenzantrags ins Bodenlose und verlor gegenüber dem Vortag über 70 Prozent ihres Wertes. Management Data stellt Software für Audio- und Videobearbeitung sowie Archivierung und Sendeplanung für Rundfunk- und Fernsehsender her.

Die Aktie des Unternehmens wurde an der Börse zwischen 10.45 Uhr und 13.05 Uhr vom Handel ausgesetzt. In dieser Zeit gab die Firma bekannt, einen Insolvenzantrag zu stellen. Mit Wiederaufnahme des Handels begann eine Verkaufswelle.

Das Unternehmen erklärte, die finanziellen Schwierigkeiten lägen ausschließlich bei der Muttergesellschaft. Die Verhandlungen mit möglichen Investoren sollten nun durch den künftigen Insolvenzverwalter fortgesetzt werden. Die Töchter D.A.V.I.D. und Omnibus Systems, die im vergangenen Geschäftsjahr profitabel gearbeitet hatten, sind nach Einschätzung des Management von der Insolvenz "nicht negativ betroffen". Management Data hatte im vergangenen Geschäftsjahr einen Verlust von 12,1 Mill. DM (6,2 Mill. Euro/85,2 Mill. S) gemacht.

Der erste Insolvenz-Fall war im August vergangenen Jahres der Telekom- und Internetanbieter Gigabell, bisher auch das einzige Unternehmen, das den Neuen Markt verlassen hat. Ihm folgten Firmen wie Teamwork, Micrologica, Teldafax, Infomatec und zuletzt Kabel New Media.

Ruf nach verschärften Regeln wächst
Die deutsche Wachstumsbörse war wegen der Pleitewelle und vielen unter einem Euro notierenden Titeln - so genannten Penny Stocks - unter Druck geraten, die Regeln für den Neuen Markt zu verschärfen. Nach unbestätigten Medienberichten könnte dies bereits am Freitag geschehen. Marktteilnehmer hatten beklagt, dass die zunehmende Zahl von Pleiten das Vertrauen der Anleger in das Börsensegment zerstört.

Die Börse hatte in der vergangenen Woche grundsätzlich erklärt, sie will Firmen mit niedrigem Börsenwert sowie Unternehmen, die von Insolvenz bedroht sind, vom Kurszettel nehmen. Vorbild für die Regelung am Neuen Markt könnte die US-Technologiebörse Nasdaq sein. Dort werden Titel aus dem Handel genommen, die länger als 30 Tage unter einem Dollar notieren.

Der Vorstandschef von Management Data AG, Holger Antz, sieht unterdessen nach eigenen Worten gute Chancen, dass die unter Insolvenzverwaltung stehende Firma gerettet werden kann. Antz sagte, er sei zuversichtlich, dass dem Unternehmen durch Verkauf von Teilen oder als Ganzes ausreichend Finanzmittel zugeführt werden könnten, um es weiterzuführen. Als besonders werthaltig hob Antz dabei die Tochterfirmen D.A.V.I.D und OmniBus Systems hervor.

Eine Hamburger Gerichtssprecherin bestätigte unterdessen, dass das Insolvenzverfahren am Dienstag über die Management Data AG eröffnet worden ist. Als vorläufiger Verwalter ist der Rechtsanwalt Klaus Pannen bestellt worden.

Die Hamburger Management Data ist im Übrigen nicht ident mit einer namensgleichen ehemaligen CA-Tochter.

17.7.2001 17:47