Differenz zwischen Arm und Reich um 22% höher

Wer in Wien lebt, hat mehr Geld zur Verfügung als die Bewohner der übrigen Bundesländer. So liegt das durchschnittliche Pro-Kopf-Haushaltseinkommen in der Bundeshauptstadt mit 15.100 S (1.097 Euro) um 17 Prozent über dem Österreich-Durchschnitt.
Größer sind allerdings auch die Einkommensunterschiede zwischen Arm und Reich: Wien hat eine um 22 Prozent ungleichere Einkommensverteilung als die anderen Bundesländer, heißt es in einer am Dienstag veröffentlichten Studie der "SRZ Stadt + Regional Forschung GmbH".
Präsentiert wurde die Untersuchung mit dem Titel "Entwicklung der Einkommensdisparitäten in Wien zwischen 1981 und 1999" von Vizebürgermeister Sepp Rieder (S). Er betonte, dass Österreich und Wien im internationalen Vergleich eine "extrem gleichmäßige Einkommensverteilung und eine der weltweit niedrigsten Armutsraten" haben. In einer entsprechenden Weltbank-Studie aus dem Vorjahr hat Österreich unter 100 Volkswirtschaften am besten abgeschnitten. Auffällig ist aber, dass die Einkommensunterschiede in den vergangenen Jahren größer geworden sind.
Wohlstandsgesellschaft mit steigender Ungleichheit
Heidrun Feigelfeld von SRZ brachte es auf den Punkt: Sie sprach von einer "Wohlstandsgesellschaft mit steigender Ungleichheit". Die Zahlen im Detail: Von 1981 bis 1999 nahm die Einkommensdisparität in Wien um 27 Prozent zu, in den anderen Bundesländern um 29 Prozent. Der mittlere Einkommensabstand zwischen einkommsschwächeren und einkommensstärkeren Haushalten lag in Wien 1981 bei jährlich 109.000 S, im Jahr 1999 bei 138.000 S (Bundesländer: von 96.000 auf 121.000 S). Die Einkommen sind damit in Wien um 22 Prozent ungleicher verteilt als in Rest-Österreich.
Armutsquote liegt 2,6% unter den Bundeländern
Besser liegt Wien bei der Armutsquote (Anteil der Haushalte mit einem Pro-Kopf-Einkommen unter der Hälfte des Mittelwerts aller heimischen Pro-Kopf-Einkommen, das waren 1999 weniger als 6.735 S): Sie liegt bei sieben Prozent und ist damit um 2,6 Prozentpunkte niedriger als in den anderen Bundesländern. Die Nase vorn hat die Bundeshauptstadt auch beim persönlichen Nettoeinkommen (15.600 S pro Monat, elf Prozent über dem Schnitt der anderen Bundesländer) oder beim verfügbaren Haushaltseinkommen pro Kopf (Haushaltseinkommen minus Wohnungskosten: 12.600 S, plus sieben Prozent).
"Wien hat einiges von dem Vorsprung, den es zu Beginn der 80er-Jahre hatte, eingebüßt", sagte Rieder. Ein Grund dafür ist der internationale Trend zu höheren Wohnungskosten in Großstädten. Weitere Ursachen sind für Rieder Veränderungen am Arbeitsmarkt und die starke Zuwanderung nach Wien zu Beginn der 90er-Jahre.
Dem "Trend des Auseinanderdriftens" will Rieder mit arbeitsmarkt- und wohnungspolitischen Maßnahmen entgegenwirken. Der Arbeitsmarkt dürfte nicht sich selbst überlassen werden, so der Vizebürgermeister, der in diesem Zusammenhang neuerlich vor einer von Arbeits- und Wirtschaftsminister Martin Bartenstein (V) geplanten Zentralisierung des Arbeitsmarktservices (AMS) warnte. Auch die Wohnungskosten sind ein enormer Faktor in der sozialen Ausgewogenheit. Gerade bei den Gemeindebauten ist es daher falsch, "das Glück in Privatisierungen zu suchen", so Rieder.
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