Montag, 16. Juli 2001

Vorwürfe der WAZ-Gruppe gegen Lion.cc

Die Entscheidung über die Zukunft der Libro-Online-Tochter Lion.cc dürfte noch dauern und könnte sich bis Ende des Monats ziehen. Derzeit wird mit einem Interessenten intensiv verhandelt, heißt es aus Unternehmenskreisen. An einer Insolvenz sei niemand interessiert.

Vor allem die Libro-Gläubigerbanken sind bemüht, eine Pleite abzuwenden. Ein Konkursantrag ist jedenfalls im Laufe dieser Woche unwahrscheinlich.

Sollte allerdings kein Käufer für Lion gefunden werden, gibt es für die Libro-Internet-Tochter keine andere Möglichkeit als den Konkurs anzumelden, hatte bereits Libro-Chef Werner Steinbauer zuletzt betont. Im Augenblick ist auch noch nicht abzusehen, ob ein eventuelles Insolvenzverfahren von Lion.cc die Ausgleichsbemühungen für die Libro AG entscheidend tangiert, so Libro-Ausgleichsverwalter Viehböck in seiner jüngsten Stellungnahme. Der Liquiditätsbedarf von Lion.cc bis Monatsende wird derzeit mit rund 10 Mill. S angegeben.

Bei der Libro-Gläubigerbeiratssitzung am Dienstag könnte zumindest eine Weichenstellung erfolgen. Man hofft, nach dieser Sitzung schon etwas klarer zu sehen, so Viehböck zuletzt. Grundsätzlich dürfte es sich bei der morgigen Sitzung nur um eine routinemäßige Zusammenkunft handeln, bei der die weiteren Schritte im Libro-Ausgleich erörtert werden.

Vorwürfe der WAZ-Gruppe gegen Lion.cc
Die deutsche Mediengruppe WAZ, die rund 30 Prozent an Lion hält, hat, wie berichtet, bereits gerichtliche Schritte in Aussicht gestellt. Ex-Libro-Chef Andre Rettberg, UIAG-Boss Kurt Stiassny und Lion-Vorstand Heinz Lederer wurde in einem Schreiben der WAZ-Rechtsanwaltskanzlei Menold & Aulinger mitgeteilt, dass sie sich gegenüber der WAZ-Gruppe "schadensersatzpflichtig gemacht" hätten. Die Betroffenen hätten, so das Nachrichtenmagazin "Format", 354 Mill. S (25,7 Mill. Euro) aus dem Lion-Vermögen zur Mutter Libro geschoben.

16.7.2001 18:03