Montag, 16. Juli 2001

Regen-König Michael Schumacher siegte in Silverstone

  • Fünfter WM-Titel bereits am 21. Juli in Magny Cours
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Michael Schumacher ist im Grand Prix von Großbritannien seinem Ruf als "Regen-König" in der Formel 1 einmal mehr gerecht geworden. Der 33-jährige Ferrari-Star feierte in Silverstone mit dem Triumph im über weite Strecken verregneten zehnten WM-Lauf bereits seinen siebenten Saisonsieg. Den insgesamt 60. seiner einzigartigen Karriere. Damit kann der Deutsche bereits in zwei Wochen in Magny Cours zum fünften Mal Weltmeister werden und den Rekord des legendären Argentiniers Juan Manuel Fangio (Champion 1951 und 1954 bis 1957) einstellen.

"Das war sicherlich ein verrücktes Rennen. Ich bin stolz, dass es mir hier gelungen ist, meinen 60. Sieg zu schaffen. Normalerweise ist mir die Statistik egal, aber es freut mich heute besonders, da ja meine Erfolgsserie hier in Silverstone nicht berauschend war", lautete das zufriedene Resümee von Schumacher, der heuer in jedem GP den Sprung aufs Stockerl geschafft und nun mit seiner insgesamt 107. Podestplatzierung im 170. Formel-1-Rennen auch den "Podest-Rekord" des Franzosen Alain Prost geknackt hat.

Barrichello zweiter
Hinter dem souveränen Rheinländer, der zuvor erst ein Mal - 1998 - auf der Insel triumphiert hatte, wurde sein Teamkollege Rubens Barrichello, der nun als erster Verfolger in der WM schon 54 Zähler Rückstand auf "Schumi" hat, Zweiter. Sollte Schumacher am 21. Juli in Frankreich seinen Vorsprung auf 60 Punkte ausbauen, dann ist er vorzeitig zum dritten Mal in Serie Weltmeister. Auf Rang drei landete in England der Kolumbianer Juan Pablo Montoya im Williams-BMW. Alle anderen Piloten, die in die Wertung kamen, hatten zumindest eine Runde Rückstand!

Schock für Rubens
Das Rennen begann für den in Reihe eins stehenden Barrichello mit einem Schock. Der Brasilianer blieb beim Start in die Aufwärmrunde mit einem abgestorbenen Motor kurzfristig liegen und musste das Rennen deshalb nur als 21. und Letzter aufnehmen. Dadurch entwickelte sich in der Anfangsphase bei leicht einsetzendem Regen ein Duell um die Spitze zwischen dem absolut am Limit fahrenden Pole-Mann Montoya und Michael Schumacher, während Barrichello von hinten das Feld aufrollte. Bereits in Runde sechs war er an achter Stelle zu finden.

Reifen haben entschieden
In Runde 13 wurde der Regen dann aber so stark, dass die ersten Reifenwechsel notwendig wurden, wobei Montoya vorerst seine Führung behauptete. Doch in der 16. der insgesamt 60 Runden überholte der auf Intermediates fahrende "Regenkönig" Michael Schumacher seinen Erzrivalen aus Südamerika, der sich für die mit einem tieferen Profil versehenen Regenreifen entschieden hatte. In der 19. Runde zog auch Barrichello an Montoya vorbei, der Williams-BMW-Pilot blieb aber am zweiten Ferrari dran. Erst im Schlussdrittel des Rennens, als die 5,141 km lange Strecke wieder auftrocknete, wurde dieses südamerikanische Duell um Platz zwei zu Gunsten von Barrichello entschieden, der kurzzeitig auf Rang drei zurückgefallen war.

Ross Brawn ist der Vater des Sieges
"Unser ganzes Paket - Auto und Reifen - ist heute optimal gelaufen", erklärte Schumacher. "Außerdem sind wir dank unseres Technikchefs Ross Brawn immer zum richtigen Zeitpunkt mit den richtigen Reifen gefahren. Das war angesichts der ständig wechselnden Wetterbedingungen sehr schwierig, aber Ross hat das toll gemacht." Auch Barrichello war mit den Entscheidungen des Briten zufrieden. "Wenn man vom 21. Platz aus Zweiter wird, dann ist das natürlich ein tolles Ergebnis. Aber nach dem Missgeschick beim Start, wo ich beim Schalten in den ersten Gang den Motor abgewürgt habe, ist alles wunderbar gelaufen. Diese Aufholjagd hat richtig Spaß gemacht!"

Montoya hatte keine Chance
Montoya wusste, dass er das Rennen in erster Linie wegen des Regens verloren hatte. "Mit den Trockenreifen war's okay, und auch auf der feuchten Strecke ging's noch. Aber als es dann richtig regnete, hatte ich gegen die Ferrari keine Chance", gestand der Kolumbianer, dass Reifenproduzent Michelin im Vergleich mit der Bridgestone-Konkurrenz immer noch viel Aufholbedarf hat. Dass sein Teamkollege Ralf Schumacher nur Achter wurde, lag an einer defekten Tankanlage.

Schwache Leistung von McLaren
Doch da McLaren-Mercedes durch den Ausfall von Kimi Räikkönen und den nach schlechter Boxenregie zehnten Platz von Lokalmatador David Coulthard ohne Punkte blieb, hat Williams-BMW seine Position als zweitbestes Team hinter Ferrari gefestigt. Neben den Italienern durfte aber auch BAR-Honda jubeln. Jacques Villeneuve und Olivier Panis sorgten mit den Plätzen vier und fünf für die ersten Zähler in dieser Saison.

Jaguar indiskutabel
Bei Jaguar fand dagegen das katastrophale Heim-GP-Wochenende den nach den indiskutablen Leistungen im Training und Qualifying erwartet erbärmlichen Abschluss. Die im Aerodynamik-Bereich modifizierten "R3B"-Boliden waren im Rennen alles andere konkurrenzfähig: Der Nordire Eddie Irvine schied nach etwas mehr als einem Drittel der Renndistanz aus, und der Spanier Pedro de la Rosa kam mit zwei Runden Rückstand nicht über Rang elf hinaus. "Wir werden am Montag die Konsequenzen ziehen", betonte Rennsport-Direktor Niki Lauda, der sich am Sonntag mit seiner neuen roten, von Viessmann gesponserten Kappe präsentierte. Für diese Werbung soll Österreichs dreifacher Weltmeister angeblich 750.000 Euro pro Jahr bekommen.

16.7.2001 13:04
Ergebnisse, WM-Stand, Team-Porträts