Athleten-Vertreter warnen vor Hitzespielen

Olympia 2008 in Beijing, das sind Wunschbilder und ein Albtraum zugleich. Wunschbilder, weil sich die Realität 2001 mit der geplanten Wirklichkeit in sieben Jahren kaum vereinbaren lässt. Ein Albtraum für jene Sportler, die in freier Luft dem schwül-heißen Klima des Beijinger Sommers ausgesetzt sein werden.
Das norwegische Mitglied der IOC-Athletenkommission und des IOC, der vierfache Eisschnelllauf-Olympiasieger Olav Koss, hat schon vor der Vergabe der Spiele 2008 geklagt: "Erst der Hitzesmog in Athen 2004, dann auch noch in Beijing. Ich kann nicht erkennen, dass das IOC bei der Vergabe Olympischer Spiele besonders auf die Bedingungen für Sportler Rücksicht nimmt."
Aber es soll ja in sieben Jahren alles besser sein. "Neues Beijing - große Olympische Spiele", hat Bürgermeister Liu Qi in Moskau noch einmal versprochen, "Weltklasse-Transport, Hi-Tech-Service und eine schöne reine Umwelt." Etwas übertrieben für seine Kapitale, die zu den verschmutztesten des Globus zählt. Die offiziellen Angaben vermitteln immerhin den Eindruck, als sei Beijing beim großen Problem der Luftverschmutzung schon auf einem Weg der Besserung. Schwefeldioxid soll seit 1998 offiziell um 41 Prozent zurückgegangen sein, Kohlenmonoxid um 21 Prozent.
Von 1998 bis 2007 will Beijing 12 Milliarden Dollar (14,1 Mrd. Euro/193 Mrd. S) in den Umweltschutz stecken. Taxen und Busse sollen auf Gas umgestellt, Luft verpestende Betriebe ausgelagert werden. Beijing verspricht "Grüne Olympische Spiele". Nun muss sich 2008 zeigen, wie weit die vollmundigen Ankündigungen für die 12-Millionen-Einwohner-Stadt trotz des Zuwachses an Menschen, Verkehr, Autodichte und Industrieproduktion eingehalten werden können.
Auch in die Infrastruktur wird heftig investiert
Seit 1996 wurden 16,7 Milliarden Dollar (19,6 Mrd. Euro/269 Mrd. S) verbaut. Bis 2005 sollen es noch einmal 21,8 Milliarden (25,5 Mrd. Euro/351 Mrd. S) sein. Zwar kann das niemand nachrechnen, doch ist Beijing eine Baustelle. Straßen werden verbreitert, Asphalt erneuert, Fußwege geschaffen. Parks, Ringstraßen und Nahverkehrsbahnen entstehen. Und das IOC hat wenig Zweifel, dass Beijing für die für den Staat so bedeutsamen Spiele genug Geld aufbringen kann.
Für die Universiade Ende August sind sieben neue Sportstätten gebaut und 45 renoviert worden. Doch Vieles ist für Olympia 2008 nicht brauchbar und muss zumindest überholt werden. Das Olympische Dorf für 17.600 Athleten und Funktionäre wird nördlich von Beijing in einem Olympia-Park entstehen, in dem die Hälfte aller Wettkämpfe stattfinden werden. 22 der 37 benötigten Sportstätten werden neu gebaut, darunter ein Olympiastadion. Die Segelwettbewerbe werden vor Quingdao City ausgetragen, 690 km von Beijing entfernt an der Ostküste gelegen. Die reinen Organisationskosten werden mit 1,6 Milliarden Dollar (1,87 Mrd. Euro/25,8 Mrd. S) angegeben. Allein 1,2 Milliarden (1,41 Mrd. Euro/19,3 Mrd. S) davon erhalten die Chinesen vom IOC als Anteil aus der internationalen Vermarktung der Spiele über Fernsehrechte und Sponsoren.
IOC: "Eine hoch qualifizierte Bewerbung"
"Die Kombination eines guten Sportkonzepts mit kompletter Unterstützung der Regierung ergeben eine hoch qualifizierte Bewerbung", befand die Inspektoren des IOC. Aber die Athleten werden mächtig schwitzen. Wegen Temperaturen von 30 bis 40 Grad wollte Beijing die Spiele im September und Oktober abhalten. Doch wegen des internationalen Sportkalenders und dem Wunsch vor allem des amerikanischen Fernsehens muss Beijing bei Juli/August bleiben.
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