Montag, 16. Juli 2001

SPEZIAL: Olmypische Spiele 2008 in Beijing

Punkt 16.09 Uhr verkündete IOC-Präsident Juan Antonio Samaranch den Sieg der chinesischen Hauptstadt. Damit wurden die Olympischen Sommerspiele zum dritten Mal nach Asien vergeben. 1964 fanden die Spiele in Tokio und 1988 in Seoul statt.

Mit einer historischen Entscheidung hat das Internationale Olympische Komitee (IOC) am Freitag Beijing zum Austragungsort der Olympischen Spiele 2008 bestimmt und damit gleichzeitig der kommunistisch regierten Volksrepublik China das bedeutendste Sportfest der Welt überantwortet. Der hohe Favorit setzte sich bei der 112. IOC-Vollversammlung in Moskau bereits im zweiten Wahlgang mit der absoluten Mehrheit von 56 Stimmen, drei mehr als notwendig, gegen Istanbul, Paris und Toronto durch. Im ersten Durchgang war Osaka ausgeschieden. Unmittelbar danach unterzeichneten Samaranch und Beijings Bürgermeister Lin Qi den Ausrichtervertrag, der für Beijing 1,2 Milliarden Dollar (1,41 Mrd. Euro/19,3 Mrd. S) als Anteil aus den Vermarktungsrechten des IOC wert ist.

Keine Frage zu Menschenrechte
Die IOC-Mitglieder entschieden sich trotz der bis zuletzt anhaltenden Proteste der Europäischen Union und von Menschenrechtsorganisationen für die chinesische 12-Millionen-Metropole. Diese höchst politische Entscheidung wurde durch das Urteil der IOC-Prüfungskommission erleichtert, die Beijing die Organisation "exzellenter Spiele" zutraut. In acht Fragen von IOC-Mitgliedern bei der 45-minütigen Präsentation am Mittag wurden die Chinesen nicht mit der Menschenrechtsproblematik konfrontiert.

Staatschef Jiang Zemin kommt nach Moskau
Beijing selbst hielt sich in den vergangenen Tagen auffällig zurück, Staats- und Parteichef Jiang Zemin kommt erst am Sonntag zum Staatsbesuch nach Moskau. Vor dem IOC versprach Vizepräsident Li Lanqing jedoch eine "Sportstiftung für unterentwickelte Länder". Zugleich kündigte das Beijinger Organisationskomitee an, dass der olympische Fackellauf 2008 auch durch das seit 1950 von China besetzte Tibet führen soll. Exil-Tibetaner hatten an der Spitze der Proteste gegen Olympia in Beijing gestanden.

Istanbul und Osaka klar gescheitert
Bei dieser letzten Werbekampagne vor der Abstimmung waren Paris mit Frankreichs Premierminister Lionel Jospin und Toronto mit Kanadas Regierungschef Jean Chretien vertreten. Beide Städte hatten von den IOC-Prüfern wie Beijing die Note "exzellent" erhalten. Jospin gab umfassende staatliche Garantien zur Finanzierung, Sicherheit und Freizügigkeit ab. Chretien bekannte sich zu allen vom IOC verlangten Verpflichtungen. Paris muss nun aber ebenso weiter auf die dritten Spiele nach 1900 und 1924 wie Kanada auf die zweiten Sommerspiele nach 1976 in Montreal warten. Chancenlos waren Istanbul und Osaka mit mangelhaften Noten.

Wahl des IOC-Präsidenten am Montag
Die Wahl Beijings dürfte auch eine gewisse Vorentscheidung für die Wahl des IOC-Präsidenten am Montag sein. Da kaum zu erwarten ist, dass das IOC nun auch sein höchstes Amt nach Asien gibt, dürften die Chancen des Südkoreaners Un Yong Kim stark gesunken sein. Neben ihm bewerben sich noch der Belgier Jacques Rogge, der Kanadier Richard Pound, die Amerikanerin Anita Defrantz und der Ungar Pal Schmitt um die Nachfolge von Samaranch, der nach 21 Jahren als IOC-Präsident ausscheidet.

16.7.2001 18:56