Freitag, 20. Juli 2001

EU-Vertreter hielten sich in der Umgebung Tetovo auf

Jetzt ist es traurige Gewissheit: Die drei seit gestern vermissten Beobachter der Europäischen Union in Mazedonien sind tot. Sie wurden möglicherweise Opfer einer Minenexplosion. Ob es ein Anschlag war, ist noch unklar.

Die Opfer sind ein Norweger, ein Slowake und ein albanischer Übersetzer. Wie das schwedische Außenministerium mitteilte, wurde das Fahrzeug der EU-Beobachter am Morgen in rund 100 Meter Tiefe in einer Schlucht gefunden. Der letzte Kontakt hatte laut EU-Angaben am Donnerstagnachmittag bestanden.

Die EU-Beobachter seien bei Tetovo im Nordwesten Mazedoniens unterwegs gewesen, teilte ein EU-Vertreter in der Hauptstadt Skopje am Freitag mit. Die Region um Tetovo, die zweitgrößte Stadt des Landes, ist seit Monaten Schauplatz von Gefechten zwischen albanischen UCK-Rebellen und mazedonischen Regierungstruppen. Seit 5. Juli gilt ein Waffenstillstand, der immer wieder gebrochen wird.

Der Sprecher der mazedonischen Armee, Blagoja Markovski, sagte in Skopje, im nordwestlichen Krisengebiet bei Tetovo sei am Donnerstagabend eine starke Explosion gehört worden. Nach Berichten der mazedonischen Polizei wurde das Fahrzeug der drei EU-Beobachter bei der Ortschaft Novo Selo gefunden.

UCK: Krieg in Mazedonien rückt näher
Nach dem Scheitern der westlichen Vermittlungsversuche rücke ein Krieg in Mazedonien immer näher, warnte ein Sprecher der albanischen Guerilla "Nationale Befreiungsarmee" (UCK) am Freitag. Mit dem Abbruch der Parteienverhandlungen bewege man sich direkt auf die "Kriegsoption" zu, betonte "Kommandant Shpati". Die UCK werde es nicht hinnehmen, dass "die Rechte der Albaner nicht anerkannt werden". Insbesondere müsse die albanische Sprache zweite Amtssprache in Mazedonien werden, fügte er in einer Erklärung hinzu.

Die beiden an der Regierung in Skopje beteiligten Albanerparteien haben sich aus den Gesprächen über eine Verfassungsreform zurückgezogen. Der Parlamentsabgeordnete der Demokratischen Partei der Albaner (DPSh) Denush Bajrani erklärte am Freitag in Skopje: "Für uns sind die Gespräche beendet". Der Vorschlag der internationalen Vermittler habe einen Kompromiss dargestellt, den die slawische Seite jedoch abgelehnt habe. "Sie üben starken Druck aus, um eine Änderung der Verfassung (zu Gunsten der albanischen Minderheit) zu verhindern", sagte Bajrani.

20.7.2001 13:27