Bisher nur Einigung im Verfahrensstreit

Die Verhandlungen beim Weltklimagipfel kommen nur im Schneckentempo voran. Der deutsche Umweltminister Jürgen Trittin sagte am Freitag, die Minister hätten zunächst nicht über Inhalte des Klimaschutzprotokolls gesprochen, sondern nur über Verfahrensfragen.
In Bonn tagen seit Donnerstag Minister und hohe Regierungsvertreter aus 178 Ländern, um sich über die Umsetzung des Kyoto-Protokolls von 1997 zu verständigen. Darin verpflichten sich die Industrieländer, ihren Ausstoß von Treibhausgasen bis 2012 um 5,2 Prozent unter das Niveau von 1990 zu senken. Um das Abkommen in Kraft zu setzen, müssen es aber nicht nur die EU, sondern auch Japan, Mittel- und Osteuropa und andere Industriestaaten ratifizieren.
Trittin betonte abermals, dass er aus dem bisher konstruktiven Gesprächsklima eine Erfolgschance ableite, fügte aber hinzu: "Das heißt nicht, dass es so kommen muss." Innerhalb der nächsten ein bis zwei Tage werde sich zeigen, ob eine Einigung möglich sei.
Die Schlüsselländer Japan, Australien und Kanada wollen die Verringerungen beim Ausstoß aus Industrieanlagen, Verkehr und Stromerzeugung möglichst gering halten und stattdessen ihre Senken als Klimapluspunkte gut geschrieben bekommen. Sie wollen zudem die "flexiblen Mechanismen" wie Emissionshandel und billigere Klimaprojekte in der Dritten Welt möglichst unbeschränkt nutzen dürfen.
Die USA wollen eine Einigung auf dem Gipfel nicht blockieren, bekräftigte ein leitender Beamter der US-Delegation am Freitag in Bonn. Die USA lehnten das Kyoto-Protokoll zwar ab, aber für sie komme es darauf an, dass in Bonn nichts entschieden werde, was ihren Interessen schade.
Molterer fasste den Stand der Dinge am Freitag mit den Worten zusammen: "Es ist durchaus denkbar, dass hier in Bonn Fortschritte gemacht werden. Es ist aber überhaupt keine Frage: Hier ist kein finales Ergebnis erzielbar."
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