Reaktionen: Minister Haupt: "Nein", SPÖ: "Absurd"

Soll das Pensionsalter angehoben werden? Umfrage, Diskussion
Ein heißes Thema: "Dass kinderlose Frauen früher als Männer in den Ruhestand treten dürfen, ist ein ungerechtfertigtes Privileg", sagt Arbeits- und Sozialrechtler Wolfgang Mazal. Sozialminister Haupt will das Pensionalter der Frauen jedenfalls nicht ändern. Die SPÖ-Reaktion: "Absurd und zynisch" sagte Melitta Trunk.
Die Vorsitzende der Kärntner SPÖ-Frauen findet keinen Gefallen an der Idee des Regierungs-Beraters. "Frauen sind im Arbeitsleben nach wie vor diskriminiert. Noch immer verdienen Frauen für gleichwertige Arbeit um bis zu 40 Prozent weniger als Männer. Und immer noch werden Frauen bei der Besetzung von Führungspositionen übergangen. Die Regierung sollte diese Ungerechtigkeiten bekämpfen statt über weitere Verschlechterungen für Frauen nachzudenken".
Arbeitswelt ist nach wie vor extrem familienfeindlich
Trunk klärt Mazal darüber auf, dass die soziale Wirklichkeit der Frauen anders aussieht, als mancher gut bezahlte Wissenschafter meinen mag. "Kinderlosigkeit ist keineswegs ein Akt des Egoismus, wie die Regierung offenbar glaubt. Viele Frauen können aus medizinischen Gründen keine Kinder bekommen, andere können sich ein Kind schlicht nicht leisten. Wieder andere finden nicht den Partner, mit dem sie Nachwuchs haben wollen. Es gibt also viele Ursachen für Kinderlosigkeit, und keine dieser Ursachen rechtfertigt eine Bestrafung der betroffenen Frau". Außerdem, so Trunk, sei die Arbeitswelt nach wie vor extrem familienfeindlich. "Solange sich Frauen zwischen Kind und Karriere entscheiden müssen, ist jede Diskussion über eine Bestrafung kinderloser Frauen ein Witz".
Sollen auch kinderlose Männer länger arbeiten?
Die Kärntner SP-Frauenvorsitzende fragt sich, ob Mazal auch kinderlose Männer länger arbeiten lassen will. "Oder denkt der Herr Berater an Strafsteuern für Junggesellen, Homosexuelle und Priester? Mazals Logik zufolge wäre all dies gerechtfertigt, haben doch diese Bevölkerungsgruppen ebenfalls keine Doppelbelastung Beruf-Familie zu tragen". Trunk rät Mazal und der blau-schwarzen Bundesregierung, in Hinkunft nicht mit unüberlegten Vorschlägen an die Öffentlichkeit zu gehen. "Es sei denn, diese Herrschaften machen sich gerne lächerlich"" so Trunk abschließend.
Mazal will das Thema "grundsätzlich angehen"
Mazal, der die Expertengruppe zur "Treffsicherheit im Sozialsystem" geleitet hatte, meint, dass die Regierung das Thema Frauenpension "grundsätzlich angehen" müsste. Von einem Ehegattensplitting in der Pension nach deutschem Vorbild hält er nichts. Es sei aber prinzipiell zu fragen, ob eine Eigenrente nicht sinnvoller als die derzeitige Hinterbliebenenrente sei.
Der Wiener Jus-Professor kritisiert überdies die Einkommensgrenze beim neuen Kindergeld. Damit sei eine Familienleistung zur Sozialleistung geworden. Er hält dies sogar für verfassungsrechtlich anfechtbar.
Komplette Kindererziehungszeit berücksichtigen
Mazal meint außerdem, dass alle und nicht nur ein Teil der Kindererziehungszeiten voll pensionsrechtlich berücksichtigt werden sollten. Im Kindergeldbetreuungsgesetz sei allerdings ein Schritt in die richtige Richtung erfolgt.
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