Mittwoch, 18. Juli 2001

Landung nach drei Stunden und 20 Minuten

Concorde-Absturz: Die Katastrophe in Bildern

Knapp ein Jahr nach dem Flugverbot für alle Concorde-Maschinen hat am Dienstag erstmals wieder eine Maschine dieses Typs einen Überschallflug absolviert. Vom Londoner Flughafen Heathrow aus hob die Maschine der British Airways (BA) am Dienstagmittag zu dem Test ab, um nach drei Stunden und 23 Minuten wieder sicher im britischen Fliegerhorst Brize Norton zu landen. Nach Angaben des Piloten Nick Bannister verlief alles nach Plan.

Vor dem Start waren vier Arbeiter die Startbahn Meter für Meter abgegangen und hatten dort herumliegende Gegenstände entfernt. Unmittelbar vor dem Abheben wurde die Sauberkeit der Bahn noch einmal von einem Auto aus kontrolliert. Der Hinterbliebenen-Anwalt Ronald Schmid kritisierte den Flug in einem dpa-Gespräch. Der Test sei unerträglich für die Angehörigen der 113 Menschen, die am 25. Juli 2000 durch den Absturz einer Concorde von Air France bei Paris ums Leben gekommen waren.

Die Kosten zur Verbesserung der Sicherheit und zur Neuausstattung der sieben BA-Concordes sollen sich auf rund 30 Millionen Pfund (49,3 Mill. Euro/678 Mill. S) belaufen. Die Maschinen wurden mit neuen Reifen ausgestattet, die Kerosin-Tanks unter dem Fahrwerk mit einer Spezialbeschichtung versehen, die auch für kugelsichere Westen verwandt wird. Der "Überprüfungsflug" ist Teil des Bemühens von British Airways und Air France, die Concorde wieder für den Luftverkehr zuzulassen und im Spätsommer oder Frühherbst den Flugbetrieb wieder aufzunehmen.

Die "Alpha Foxtrot" mit Chefpilot Nick Bannister im Cockpit flog nach BA-Angaben bei doppelter Schallgeschwindigkeit in etwa 20.000 Metern Höhe über den Atlantik bis etwa Island und drehte dann wieder um. Die Flugzeit entsprach der normalen Concorde-Reisezeit nach New York.

British Airways hatte ihre Concorde-Maschinen nach dem Flugverbot stillgelegt, das im vergangenen August wegen des Absturzes der Air France-Concorde unweit des Pariser Flughafens Charles de Gaulle erlassen worden war. Britische und französische Sicherheitsexperten hatten angeordnet, dass die Tanks der Maschinen besser vor Gegenständen geschützt werden müssten, die von der Startbahn aufgewirbelt werden könnten. Bei der abgestürzten Concorde hatten Reifenteile die Tanks beschädigt. Dadurch war das Kerosin in Brand geraten.

Der Anwalt Schmid sagte in Frankfurt, für die Angehörigen der Absturz-Opfer sei es nicht zu akzeptieren, dass die Flüge nun wieder stattfinden sollten, ohne dass es ganz genaue Erkenntnisse über die Unglücksursache gebe. "Die Angehörigen haben nicht nur einen Anspruch auf Entschädigung, sondern auch auf Information", sagte er. Dass der Flug wenige Tage vor dem Jahrestag des Unfalls stattfinde, sei wenig einfühlsam. Zum Gedenken an die Opfer des Absturzes soll am Jahrestag der Katastrophe im Flughafen Charles de Gaulle eine Gedenktafel enthüllt werden.

18.7.2001 08:44