FORMAT: Demo erhöhte Glücksgefühl im ÖGB

Die Gewerkschaft rüstet auf: Die Lohnverhandlungen sollen hart wie nie werden. In einer Urabstimmung werden Kampfmaßnahmen gegen den Kurs der Regierung beschlossen. Die Wut auf die ÖVP-Wirtschaft ist grenzenlos, der ÖGB kündigt einen heißen Herbst an.
Auch der berauschendste Höhepunkt dauert nicht ewig: Am Tag nach der „Demo für Demokratie“ am Ballhausplatz ebbte das kollektive Glücksgefühl in der ÖGB-Zentrale in der Hohenstaufengasse langsam ab. Erschöpft packten die Gewerkschaftsmitarbeiter die Transparente, Megaphone und ÖGBJacken weg; der Alltag hielt wieder Einzug zwischen grauen Mauern und Resopalfußböden. Nur Organisationsreferent Willi Mernyi schwebte noch immer auf Wolke sieben: „Da muß noch mehr gehen. Die Regierung wird sich noch wundern, wie kreativ wir sind.“
Mernyi bezeichnet sich selbst als „leidenschaftlicher Liebhaber unserer Bewegung“ – und als solcher weiß er, was er der Geliebten schuldig ist: Er muß sie den ganzen Sommer über bei Laune halten. Schließlich darf das Interesse der knapp 1,5 Millionen Gewerkschaftsmitglieder nicht erlahmen, denn im Herbst steht Großes bevor: Bereits kommenden Donnerstag wird der ÖGB-Bundesvorstand beschließen, daß im September eine Urabstimmung in den Betrieben abgehalten wird. Dabei sollen die zahlenden ÖGB-Mitglieder grünes Licht für „flexible Kampfmaßnahmen“ (Mernyi) gegen die Regierung geben.
Ebenfalls im September beginnen für Metaller und Privatangestellte die Lohnverhandlungen. Dabei, so GPA-Sekretär Wolfgang Katzian, werde man „sicher einen härteren Kurs fahren als bisher gewohnt“. Und sein Kollege aus der Metallergewerkschaft, Franz Riepl, sekundiert: „Wir haben die Politik bisher immer aus Kollektivvertragsverhandlungen herausgelassen. Es könnte leicht sein, daß es diesmal anders wird.“
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