"Dann gäbe es keine Hässlichkeit mehr"

Mit einem Aufruf zum vermehrten Dirndltragen machte die britische Designerin Vivienne Westwood (60) am Montag bei ihrem Besuch beim Forum Aussee 2001 in der Steiermark aufmerksam. "Keine Frau hat eine perfekte Figur. Und gerade die Frauen, die keine perfekte Figur haben, würden mit dem Kleidungsstück sehr viel besser aussehen", erklärte Westwood.
Ein Dirndl würde vielen Frauen helfen, einfach schöner zu erscheinen, meinte die Designerin: "Würde jede Dame ein solches Kleid tragen, so gäbe es keine Hässlichkeit mehr." Westwood bedauerte, dass es in Großbritannien so etwas wie eine traditionelle Tracht nicht gebe. "Es ist vergleichbar mit der englischen Küche, die hat auch keine Tradition."
Für die 60-Jährige habe dieser Individualismus einen sehr hohen Stellenwert: "Es ist ganz wichtig, individuell zu sein und nicht mit der Masse zu gehen." Die Gesellschaft müsse weg von der Quantität und wieder hin zur Qualität. "Es ist Aufgabe der Eltern, ihre Kinder bereits in Richtung Qualität zu erziehen", sagte Westwood. "Damit lernen bereits die Jüngsten zu unterscheiden, was gut und was schlecht ist und auch aus dem Guten dann noch das Bessere zu wählen", so die Designerin.
Qualität zählt
Das Streben nach Quantität kommt nach Ansicht der Designerin aus den USA und hänge mit der Ethik der Demokratie zusammen. Diese sage, dass die Masse wichtig sei und es gut sei, viel zu besitzen. Westwood: "Diese Ansicht kann ich nicht teilen, für mich steht die Qualität absolut im Mittelpunkt."
Zum im Winter wieder voll im Trend stehenden Tweed meinte die Modeschöpferin, die seit zehn Jahren mit dem Tiroler Designer Andreas Kronthaler verheiratet ist: "Dieser Stoff ist mit eurem Loden vergleichbar, der ja zuerst auch nur von Menschen getragen wurde, die in der freien Natur arbeiteten und einen widerstandsfähigen, vor Kälte und Nässe schützenden Stoff benötigten." Der aus dem rauhen und kühlen Norden Englands stammende Tweed sei erst "gesellschaftsfähig" geworden, weil ihn die Professoren in Oxford getragen haben und somit eine Vorbildwirkung übernommen haben. "Auch der Loden wurde erst viel später so etwas wie ein Statussymbol, mit dem sich die Österreicher identifizieren", erklärte Westwood.
Das Forum Aussee 2001, das noch bis am Mittwoch andauert, setzt sich in diesem Jahr mit dem Thema "Tracht als Lebensgefühl" auseinander. Mit diesen Inhalten knüpft die laut Veranstalter "lebende Trachteninsel Ausseer Land" an das erste Forum von 1999 an, das in Kooperation mit der österreichischen Trachtenindustrie durchgeführt wurde.
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