Billig-Aktien werden nach 30 Tagen hinausgeworfen

Die Deutsche Börse in Frankfurt will Aktien, die länger als 30 Tage unter einem Euro notieren, künftig vom Neuen Markt ausschließen. Weitere Einzelheiten wolle die Börse am kommenden Freitag mitteilen, berichtete das Nachrichtenmagazin "Focus" am Wochenende vorab.
Die so genannten "Penny-Stocks" sollen demnach auch verbannt werden, wenn ihr Kurswert an mehr als 60 von 90 Tagen unter einem Euro liegt. Über 20 der 343 Titel am Neuen Markt wären nach dieser Regelung derzeit vom Rauswurf bedroht, darunter auch die Aktie des Wiener Internetdienstleister Blue C.
Blue C und Update.com gefährdet
Die Blue C-Aktie notiert - mit wenigen Ausnahmen - bereits seit März dieses Jahres unter der kritischen 1 Euro-Marke. Am Freitagnachmittag kostete eine Blue C-Aktie gerade noch 0,37 Euro. Als gefährdet gilt auch der Wiener Softwareentwickler Update.com. Der Kurs der Update-Aktie hält sich seit längerem nur noch knapp über einem Euro. Der Schlusskurs am Freitag betrug 1,15 Euro.
Die Deutsche Börse wollte den Bericht am Wochenende nicht bestätigen. Börsensprecher Walter Allwicher erklärte, die Deutsche Börse befinde sich nach wie vor im Abstimmungsprozess mit Marktteilnehmern wie Unternehmen, Banken und Vertretern von Kleinaktionären. Bereits am vergangenen Mittwoch hatte die Deutsche Börse AG schärfere Regeln angekündigt, um Pleite-Kandidaten und Unternehmen mit Billig-Aktien aus dem Neuen Markt zu verbannen.
Vorbildbörse Nasdaq
Was in Frankfurt derzeit noch diskutiert wird, ist an der US-Vorbildbörse Nasdaq seit Jahren Standard. Ein Wert, der an der Nasdaq notiert ist, steht unter ständiger Beobachtung. Tag für Tag durchforstet der US-Börsencomputer die Kurse der knapp 5.000 Titel und sucht nach Aktien, die unter einem Dollar notieren.
Wer bekommt den Blauen Brief?
Wird der Rechner fündig, bekommt das Management des betroffenen Unternehmens einen Blauen Brief mit der Aufforderung gegenzusteuern. Ab dann haben die Unternehmen üblicherweise 90 Tage Zeit, um ihren Verbleib auf dem Kurszettel zu sichern. In dieser Zeit muss die Aktie an zehn aufeinander folgenden Handelstagen über das vorgegebene Limit kommen. Gelingt dies nicht, wird das Unternehmen über den unmittelbar bevorstehenden Rauswurf informiert.
Bis Mai mussten 205 Firmen die New Yorker Börse verlassen
Im vergangenen Jahr flogen in den USA auf diese Weise insgesamt 240 Unternehmen aus dem prestigeträchtigen High-Tech-Markt. In diesem Jahr dürfte diese Zahl der Delistings deutlich überschritten werden: Allein bis Mai mussten bereits 205 Firmen die New Yorker Wachstumsbörse verlassen.
In Deutschland gehen die Forderungen einiger Marktteilnehmer unterdessen schon über den Ausschluss von Penny-Stocks hinaus. Sie plädierten für härtere Strafen bei zu später oder falscher Information und eine Verkleinerung des Auswahlindex Nemax50 auf 30 Werte. Außerdem sollten nicht Penny-Stocks, sondern auch insolvente Firmen und extrem umsatzschwachen Aktien vom Aktien vom Markt ausgeschlossen werden, so die Forderung.
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