Donnerstag, 12. Juli 2001

Lion.cc-Konkurs würde Libro-Ausgleich gefährden

Vehement dementiert hat das börsenotierte Wiener Softwareunternehmen YLine das kolportierte Interesse an der Libro-Internettochter Lion.cc: "Wir sind weder alleine noch in einem Konsortium noch über unsere Tochter Primus Online an Lion.cc interessiert. Lion.cc ohne Libro ist für uns uninteressant". Yline macht derzeit auch mit einigen Umstrukturierungen von sich reden.

Dies betonte YLine-Pressesprecher Willi Berner, heute, Donnerstag. Primus Online steht zu 49 Prozent in Besitz der YLine, der Rest wird von der deutschen Metro gehalten.

YLine, die als Käufer für Libro unlängst abgeblitzt war, habe immer betont, dass eine Sanierung von Libro nur dann möglich sei, wenn "man das Ganze nimmt", so Berner. Es sei "uninteressant, 100 Mill. S jetzt in Lion.cc zu investieren, wenn man dasselbe am Montag zum Nulltarif bekomme", bemerkte Berner. In der Branche wird gemunkelt, dass Lion.cc am Montag Konkurs anmelden werde, da bis dato noch kein Käufer für die Internet-Tochter der im Ausgleich befindlichen Libro gefunden sei.

Andere Branchenkenner gehen hingegen davon aus, dass das Thema Lion.cc noch bei der Libro-Gläubigerbeiratssitzung am kommenden Dienstag, 17. Juli, zur Sprache kommen werde und dass sich eine Entscheidung über Lion.cc noch bis Freitag nächster Woche hinziehen könnte. Sollte Lion.cc tatsächlich den Konkurs anmelden müssen, würde das eine zusätzliche Bedrohung für den Libro-Ausgleich bedeuten. Über den Libro-Ausgleich soll laut Plan am 21. September in der Ausgleichstagssatzung abgestimmt werden.

YLine-Gruppe meldet 30 Mitarbeiter zur Kündigung an

Die Umstrukturierung der YLine-Gruppe geht weiter. Durch die Fusion der beiden YLine-Töchter I-Online und FirstInEx komme es zu Personal-Umschichtungen innerhalb der Gruppe, davon seien 15 Personen betroffen, teilte YLine heute, Donnerstag, mit. Im Zuge der Strukturstraffung der YLine-Gruppe seien heute 30 Mitarbeiter aus dem Verwaltungsbereich im Frühwarnsystem des Arbeitsmarktservices (AMS) zur Kündigung angemeldet worden. In den Medien kolportierte Gerüchte über die Kündigung von 160 Mitarbeitern wurden von der Unternehmensleitung hingegen dementiert.

Vorstandsmitglieder Jandl und Schubert scheiden aus
Im Zuge der Fusion der beiden Töchter, an denen die YLine mehrheitlich beteiligt ist, scheiden die beiden FirstInEx-Vorstandsmitglieder Dieter Jandl und Martin Schubert aus dem Vorstand aus. Die Position wird von I-Online-Vorstand Kurt Hofmann übernommen, der damit eine "Doppel-Vorstandsfunktion" ausübt. Jandl und Schubert werden dem aus der Fusion entstandenen Unternehmen, das künftig unter I-Online firmieren wird, weiterhin in beratender Funktion zur Verfügung stehen, hieß es weiter.

Die YLine-Gruppe beschäftigt insgesamt 300 Mitarbeiter. 180 Beschäftigte davon entfallen auf die I-Online, in die die rund 30 Mitarbeiter der FirstInEx eingebracht wurden.

An der I-Online hält die YLine Internet Business AG 68 Prozent, an der First-In-Ex Internet Services 64,17 Prozent.

12.7.2001 13:54