Donnerstag, 12. Juli 2001

Präsident: "Wirtschaftskrise zeitlich begrenzt"

Zur Bekämpfung der Wirtschaftskrise in Argentinien hat Präsident Fernando de la Rua einen strikten Sparkurs angekündigt. Die Regierung werde nur das ausgeben, was sie auch einnehme, sagte De la Rua in Buenos Aires. Die öffentlichen Ausgaben sollten Monat für Monat reduziert werden. Die Sparmaßnahmen seien ausreichend, um das Problem zu lösen.

Argentinien ist die drittgrößte Volkswirtschaft Lateinamerikas und ist mit 128 Mrd. Dollar (2.050 Mrd. S/149 Mrd. Euro) verschuldet. Im Dezember hatte das Land vom IWF einen Finanzkredit über 40 Mrd. Dollar (640 Mrd. S/46,5 Mrd. Euro) erhalten.

Furcht vor Zahlungsunfähigkeit führt zu Verkaufswelle
Die Wirtschaftskrise bezeichnete der Präsident als zeitlich begrenzt. Die Grundlage der argentinischen Wirtschaft sei solide. Man müsse das Haushaltsdefizit eliminieren und dürfe sich nicht von Krediten abhängig machen, sagte er. Die Furcht vor einer möglichen Zahlungsunfähigkeit Argentiniens und deren Folgen hatte gestern eine Verkaufswelle an den Finanzmärkten in Argentinien und vielen anderen Schwellenländern ausgelöst.

Aus Kreisen des Internationalen Währungsfonds (IWF) war zuvor in Washington verlautet, der IWF sei "sehr besorgt über die Situation". Zu der Vergabe neuer Kredite an Argentinien zur Bewältigung der Krise gebe es bislang keine Überlegungen.

"Situation extrem anfällig und gefährlich"
Es sei nun zwingend erforderlich, dass die argentinische Regierung vertrauensbildende Maßnahmen einleite, hieß es in den Kreisen. Der IWF könne derzeit aber wenig tun, Argentinien müsse das Problem selbst angehen. Die Situation in Argentinien sei "extrem anfällig und extrem gefährlich" und es sei nun erforderlich, den politischen Willen und die Entscheidungsfähigkeit zu stärken, verlautete aus den Kreisen.

"Ab sofort gilt ein Null-Defizit"
Argentiniens Regierung hatte gestern angekündigt, angesichts der sich verschärfenden Wirtschaftskrise des Landes das Haushaltsdefizit mit sofortiger Wirkung auf Null zu reduzieren. "Ab diesem Monat, ab sofort gilt ein Null-Defizit", sagte der argentinische Wirtschaftsminister Domingo Cavallo im argentinischen Fernsehen und kündigte einen Kampf gegen Steuerhinterziehung, Schattenwirtschaft, politische Ausgaben und Ineffektivität an.

Kann Argentinien seine Schulden noch bedienen?
Auslöser der Verkaufswelle an den Finanzmärkten am Mittwoch war die Aufnahme neuer Staatsschulden, bei denen Argentinien wegen der Investorensorgen die höchsten Zinsen seit 1996 zahlen musste. Viele US-Analysten gehen inzwischen davon aus, das Argentinien seine Staatsschulden nicht mehr lange bedienen kann. Der IWF hatte zuletzt noch für die kommenden Wochen eine Besserung der Lage prognostiziert.

Der Lateinamerika-Chef des IWF, Claudio Loser, hatte noch gestern gesagt, er rechne mit einer baldigen Erholung. "Die Situation in Argentinien wird sich in den kommenden Wochen verbessern, ohne eine Zahlungsunfähigkeit, mit Haushaltsdisziplin und einer Fortsetzung der Konvertibilität (zwischen Peso und Dollar)", sagte Loser im Anschluss an ein Gespräch mit dem argentinischen Finanzminister Pedro Malan.

12.7.2001 10:10