In NEWS nimmt er zu Vorwürfen Stellung

Bei der Opposition stößt die von Bundeskanzler Schüssel verkündete Transaktion auf heftige Kritik. Zum einen habe sich der Verbund mit E.ON ausgerechnet dem europaweit größten privaten Produzenten von Atomstrom an den Hals geworfen. Die Grünen überlegen gegen Wirtschaftsminister Bartenstein sogar eine Klage wegen Verletzung des Atomsperrgesetzes.
NEWS: Der Zusammenschluss der Wasserkraft von Verbund und ON führt zu heftiger Kritik. Wo liegt der Charme der Transaktion?
Haider: Der Verbund wollte in der Wasserkrafterzeugung immer wachsen. Mit der nun ausverhandelten Transaktion übernehmen wir facto die Wasserkraft der E.ON. Und nachdem der Verbund kein besonders reiches Unternehmen ist, geschieht das eben über Sacheinlagen.
NEWS: Kritiker sprechen von einem schleichenden Ausverkauf der heimischen Wasserkraft.
Haider: Davon kann überhaupt keine Rede sein. Der Verbund wird durch dieses Vorhaben gestärkt und nicht geschwächt. Außerdem haben wir die Mehrheit im Aufsichtsrat und im Vorstand, sodass das gemeinsame Unternehmen praktisch eine österreichische Gesellschaft ist.
NEWS: Fürchten Sie nicht, vom Riesen E.ON à la longue an die Wand gedrückt zu werden?
Haider: Nein. Erstens müssen laut Verfassungsgesetz mindestens 51 Prozent der Gesellschaft im Eigentum des Bundes oder der Verbundgesellschaft stehen. Und zweitens ist die Strategie der E.ON entgegen der landläufigen Meinung keine hegemonistische. ON ist in Europa ein durchaus beliebter Minderheitsaktionär, der erkannt hat, dass er nicht überall die Nummer eins sein kann.
NEWS: E.ON ist die größte private Kernenergiegesellschaft Europas. Haben Sie da keine Berührungsängste?
Haider: Nein. Erstens hat E.ON schon vor einiger Zeit erklärt, sich aus den Verträgen mit dem Temelin- Betreiber CEZ zurückzuziehen. Und zweitens wurde in Deutschland zwischen der E-Wirtschaft und der Regierung eine eindeutige Vereinbarung über den geordneten Ausstieg aus der Kernenergie geschlossen.
NEWS: Was werden Ihre Kunden von dem Zusammenschluss bemerken? Es handelt sich dabei ja um eine reine Produktions- und keine Vertriebsgesellschaft.
Haider: Da die Economies of Scale auch in unserer Branche von Bedeutung geworden sind, können wir eine erhebliche Kostenreduktion erzielen. Und da es uns darum geht, unsere Marktanteile zu halten beziehungsweise auszubauen, werden die Kunden sicherlich durch niedrigere Strompreise profitieren.
NEWS: Der E.ON-Deal wird allgemein als finaler Todesstoß für die große österreichische Stromlösung interpretiert. Ist eine enge Kooperation mit der Energie Allianz nun endgültig vom Tisch?
Haider: Uns ist jeder Partner willkommen, der seine Wasserkraftwerke in die Austrian Hydro Power einbringen will. Und selbstverständlich sind wir nach wie vor am bestmöglichen Verkauf der von uns produzierten Energie interessiert. Wir haben aber kein Problem, unsere Wasserkraft in Europa abzusetzen, wenn sie in Österreich niemand will.
NEWS: Eine gesellschaftsrechtliche Verschränkung zwischen Verbund und Energie Allianz scheint nun aber endgültig ausgeschlossen.
Haider: Die wollte die Energie Allianz ohnehin nie wirklich haben. Außerdem können wir nicht ewig warten. Wir müssen vorwärtsmarschieren und konsequent unsere Ziele bezüglich Wachstum und Internationalisierung erreichen. Insofern ist der E.ON-Deal für den Verbund, für Österreich und für die europäische Wirtschaft der richtigere und bessere Weg.
EVN, Tiwag & Wr. Stadtwerke prüfen Deal
Eine genaue Überprüfung der aktienrechtlichen Auswirkungen der am Montag präsentierten Wasserkraft-Ehe zwischen dem Verbund und dem deutschen Energiereisen E.ON kündigen nun EVN, Wiener Stadtwerke und die Tiroler Tiwag an, die zusammen rund 27 Prozent am Verbund halten.
Die bekannt gewordenen Details des Verbund/E.ON-Deals ließen nicht gerade einen Vorteil für die Verbundgesellschaft erkennen, so die EnergieAllianz, der neben EVN und Wiener Stadtwerken auch die Linz AG sowie Bewag und Begas, nicht jedoch die Tiwag, angehören. Weder erhalte die Wasserkraftproduktion des Verbund im Hinblick auf die Größenordnung eine neue Dimension, noch werde er in seinem Vertrieb oder Handel gestärkt.
Es sei zu erwarten, dass die Verbundgesellschaft und damit die österreichische Wasserkraft mittelfristig in die Konzernstrategie der E.ON eingegliedert werde. Auf eigenständige Vertriebs- und Handelstätigkeiten des Verbund solle in Zukunft verzichtet werden, meint man in der EnergieAllianz.
"Verbund wirft sich E.ON an den Hals"
Während sich die Energie AG Oberösterreich vergangene Woche offenbar für eine "österreichische Lösung" entschieden habe, falle die Verbundgesellschaft nun offensichtlich der zehnmal größeren E.ON um den Hals, die in ihrem Geschäftsbericht stolz darauf hinweise, dass sie die "größte private Kernenergiegesellschaft Europas" ist. Die Vorgangsweise hinterlasse den Eindruck einer gewissen Panik, so die EnergieAllianz.
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