Mittwoch, 11. Juli 2001

Anleger sollen wieder Vertrauen gewinnen

Angesichts schwindenden Anlegervertrauens will die Deutsche Börse AG Billigaktien aus dem Neuen Markt werfen. "Die Deutsche Börse will das Regelwerk des neuen Marktes entsprechend erweitern", sagte ein Börsensprecher heute in Frankfurt am Main. Sieben Aktiengesellschaften reagierten und drohten bereits mit Abwanderung.

Die Börse wolle Firmen "mit niedrigem Börsenwert" und "Unternehmen, die von Insolvenz bedroht sind", vom Kurszettel nehmen. Die Betreibergesellschaft des Neuen Marktes reagiert damit auf die Kritik von Unternehmen, Aktionärsschützern, Fondsmanagern und Analysten. Sie forderten die Verbannung von Papieren vom Neuen Markt, die weniger als einen Euro kosten, um das erschütterte Vertrauen der Anleger in den Markt wiederherzustellen.

Vorbild Nasdaq?
In welcher Form der Ausschluss von Firmen aus dem Markt künftig möglich sein wird, will die Börse "in einer endgültigen Absprache mit den Marktteilnehmern" klären. Auch müsse rechtlich noch geprüft werden, wann der Ausschluss möglich sei. Von den 343 Unternehmen am Neuen Markt kosteten zuletzt gut zwei Dutzend weniger als einen Euro. Über 150 Firmen liegen unter der Schwelle von fünf Euro. Vorbild für die Regelung am Neuen Markt könnte die US-Technologiebörse Nasdaq sein. Dort werden Titel aus dem Handel genommen, die länger als 30 Tage unter einem Dollar notieren.

Die Börse war in den vergangenen Wochen durch immer neue Tiefstände am Neuen Markt unter Druck geraten, ihr Regelwerk zu verschärfen. Nach Angaben der "Financial Times Deutschland" häuften sich bei der Betreibergesellschaft die Beschwerden von Firmen, die durch die so genannten Pennystocks ihre eigene Position im Handel gefährdet sehen. Nach einer Umfrage der Zeitung prüfen derzeit mindestens sieben der 50 Unternehmen im Leitindex Nemax50 den Rückzug aus dem Neuen Markt. Dies seien D.Logistics, Singulus, MobilCom, Highlight, Pandatel, CE Consumer und Primacom. An der Umfrage beteiligten sich den Angaben zufolge 44 der 50 Firmen aus dem Standardwerte-Index des Neuen Marktes.

11.7.2001 10:20