Dienstag, 10. Juli 2001

Umsatz sank um 5%, Karner folgt Kobatsch

Einen ordentlichen Kater erlebte der Sekt- und Spirituosenkonzern Schlumberger nach dem sagenhaften Millenniumsrausch. Im Geschäftsjahr 200/01 ging der konsolidierte Umsatz um 5 Prozent auf 1,945 Mrd. S (141 Mill. Euro) zurück. Der langjährige Schlumberger-Chef Rudolf Kobatsch wechselt in den Aufsichtsrat. Josef Karner, Geschäftsführer einer Schlumberger-Tochter, rückt nach.

"Wir haben noch größeren Abstand erwartet, aber man wird ja noch Glück haben dürfen", sagte Vorstandsvorsitzender Rudolf Kobatsch heute, bei der Bilanz-Pressekonferenz in Wien. Die Dividende soll 8 Prozent nach 12 Prozent im Vorjahr betragen. Im 1. Quartal des neuen Geschäftsjahres stieg der Gruppen-Umsatz um 3,4 Prozent auf 476,5 Mill. S.

Der Sektumsatz von Schlumberger ging im abgelaufenen Geschäftsjahr sogar um rund ein Fünftel zurück, nicht zuletzt weil im Vorfeld des Jahrtausendwechsels Handel und Gastronomie riesige Mengen auf Lager gelegt hätten, die, weil die hohen Erwartungen nicht erfüllt wurden, erst im Nachhinein verkauft werden mussten.

Sektabsatz stagniert
Der österreichische Sektmarkt schrumpfte 2000 insgesamt um 7,7 Prozent. Auch für das laufende Jahr erwartet Kobatsch "nicht weiß Gott wie große Wachstumsraten" sondern eher Stagnation bei Sekt. Die "Italianita" bei Lebensmittel- und Getränken komme derzeit vor allem dem Prosecco zu gute, wo Schlumberger mit einigen Handelsmarken vertreten sei.

Geschäft mit Spirituosen blieb gleich
Das Geschäft mit Spirituosen, auf die etwa zwei Drittel des Umsatzes der Gruppe entfallen, blieb im Vorjahr in etwa gleich, so Kobatsch. Rückgänge gab es neuerlich bei Cognac und Weinbrand, allerdings stiegen die Umsätze mit Modespirituosen wie Cachaca (Pitu, 51) und Tequila (Jose Cuervo), aber auch mit Halbbitter-Likören((Averna) zum Teil um 50 Prozent. Die Vorarlberger Destillerie Freihof, an der Schlumberger die Mehrheit hält, hat den Umsatz um 11 Prozent auf 162,53 Mill. S gesteigert.

Handel deckte sich mit Vorräten ein
Die mit Juni 2000 erfolgte Erhöhung der Alkoholsteuer sei bei hochpreisigen bzw. niederprozentigen Getränken in vielen Fällen durch den Wegfall der Getränkesteuer aufgehoben worden. Der Handel hat sich laut dem Schlumberger-Chef auch hier durch Vorratskäufe, vor allem bei bekannten Produkten, im Vorfeld eingedeckt.

Dies habe dem neuen Vertriebs-Joint-Venture "Top Spirit Austria" (50 Prozent Schlumberger, 50 Prozent Stock Austria), das sein erstes volles Geschäftsjahr abgeschlossen hat, viele "umsatzlose" Monate beschert. Die Kooperation habe sich jedenfalls zur Zufriedenheit der beiden Partner entwickelt und mache es möglich, die Marktpotenziale besser auszuschöpfen.

Rückzug aus Frankreich
Zusätzlich erwägt Schlumberger, sich aus dem verlustträchtigen Frankreich-Engagement zurückzuziehen, "sollten wir die Ziele weiterhin nachhaltig verfehlen", sagte Kobatsch. Dies sei mit dem Aufsichtsrat vereinbart. Die Zielerreichung werde quartalsmäßig überprüft. "Bei 50 Prozent Abweichung würden wir die Reißleine ziehen", sagte Kobatsch. In Deutschland wurde der Umsatz gehalten, in Ungarn erzielte Zwack Unicum, an der Schlumberger "25 Prozent und eine halbe Aktie" hält, neuerlich ein Umsatzplus.

Die französischen Töchter Blanc Foussy, Liquorerie-Aperitiverie Saint Jehan, Robert de Schlumberger und Chateau de Montfort haben 2000/01 bei einem Umsatz von 41,9 Mill. S den Verlust um fast 40 Prozent auf 38,9 Mill. S vergrößert. Auf Schlumberger/Wien entfallen davon 60 Prozent.

Grund für das "unbefriedigende Ergebnis" sei der zu geringe Umsatz sowie Einmalkosten durch Abwertung des Umlaufvermögens. Das laufende Geschäftsjahr sei das erste in einem Mehrjahresprogramm mit klaren Etappenzielen, die quartalsweise überprüft werden. Bei nachhaltigen negativen Abweichungen werde man sich von dem seit 1987 laufenden Engagement trennen, so Kobatsch. Wieviel die Frankreich-Aktivitäten bis jetzt gekostet habe, wurde nicht beziffert.

Der an der Budapester Börse notierte ungarische Marktführer bei Spirituosen, Zwack Unicum, an dem Schlumberger durchgerechnet etwa ein Viertel hält, steigerte den Umsatz im Geschäftsjahr 2000/01 um 9,1 Prozent auf 1,2 Mrd. S. Das Ergebnis lag mit 111,55 Mill. S knapp unter dem Rekordwert des Vorjahres, so Kobatsch. Zwack Unicum schüttet eine Dividende von 75 Mill. S aus.

Schlumberger hat im Vorjahr 65,3 Mill. S in Produktion und Lagereinrichtungen sowie EDV investiert. Heuer sollen 33,8 Mill. S investiert werden.

Das Ergebnis pro Aktie ging im Geschäftsjahr 2000/01 auf 182 S (209 S) zurück. Für eine Ergebnisprognose für das laufende Jahr sei es wegen der Bedeutung des Weihnachtsgeschäfts zu früh, sagte Kobatsch.

10.7.2001 16:06