Montag, 9. Juli 2001

23 Mill. Schilling Passiva

Die Medienvertriebslogistik GmbH (MVL), eine 100-prozentige Tochter der Libro AG, hat heute beim Landesgericht Wiener Neustadt Konkurs angemeldet. Das Landesgericht Wr. Neustadt hat heute sogleich das Konkursverfahren über die Logistik-Tochter der in Ausgleich befindlichen Libro AG, MVL MedienVertriebsLogistik GmbH, Guntramsdorf, eröffnet. Zum Masseverwalter wurde der Badener Rechtsanwalt Georg Rupprecht bestellt, teilte der KSV am Montagnachmittag mit. Die Prüfungstagsatzung findet am 13. September 2001 statt.

Die Passiva belaufen sich auf rund 23 Mill. S (1,7 Mill. Euro), 5,5 Mill. S davon entfielen auf Lieferanten, der Rest auf Konzern- und sonstige Verbindlichkeiten. Der Großteil der 141 Mitarbeiter der MVL werde von Libro übernommen.

Die noch ausstehenden Juni-Gehälter der Mitarbeiter werden wie bei der Libro über den Insolvenzausgleichsfonds abgewickelt. Libro werde künftig die Logistik wieder selbst durchführen.

Unklar sei weiterhin das Schicksal der weiteren Libro-Töchter Lion.cc, CeDe.CH, und Libro Entertainment GmbH, so der KSV. In einer Pressekonferenz vergangenen Woche hatte der neue Libro-Vorstandssprecher Werner Steinbauer angekündigt, alle nicht zum Kerngeschäft zählenden Beteiligungen abgeben zu wollen. Vor allem für die hochdefizitäre Internettochter Lion.cc müsse sehr rasch ein Käufer gefunden werden, sonst sei deren Konkurs ebenfalls unvermeidlich.

Lieferanten wollen mehr als 40%
Die Libro-Gläubiger wollen sich mit dem gesetzlichen Mindestangebot von 40 Prozent nicht zufrieden geben. Für den Kreditschutzverband von 1870 (KSV) muss für die 900 Lieferanten mindestens so viel herausschauen, wie vor dem Ausgleich für ein außergerichtliches Verfahren ausgehandelt worden war. Der Alpenländische Kreditorenverband (AKV) geht in seinem Rundschreiben an die Gläubiger sogar von einem "Recht auf 100prozentige Bezahlung" - "wer immer dieses berechtigte Begehren erfüllt!" aus.

Das vom KSV mit Libro vor Ausgleichseröffnung ausgehandelt verbesserte Angebot für die Lieferanten sah für Gläubiger mit Forderungen bis 1,5 Mill. S eine 100prozentige Befriedigung vor. Für Lieferanten mit höheren Forderungen wurde eine Quote von 50 Prozent vereinbart.

Insgesamt hätte Libro seinen Lieferanten mit Forderungen von 730 Mill. S (53,1 Mill. Euro) rund 60 Prozent zahlen müssen. Die erste Tranche über 300 Mill. S wäre bereits am 31 Juli d. J. geflossen, weitere rund 170 Mill. S wären per 28 Februar fällig geworden. "Ohne Barquote wird es jedenfalls auch im gerichtlichen Ausgleichsverfahren nicht gehen", betonte KSV-Experte Johann Kosstal.

Kurzfristig einigen will man sich auch mit den Lieferanten mit Eigentumsvorbehalten. In diesem Fall hat der Ausgleichsverwalter die Möglichkeit, eine Aussonderung für längstens 90 Tage zu verhindern. Denkbar wäre, die Aussonderungsansprüche mit einem Pauschalbetrag abzudecken. Insgesamt wollen laut KSV 30 bis 40 Prozent der Lieferanten von ihrem Aussonderungsrecht Gebrauch machen.

9.7.2001 15:43