Montag, 9. Juli 2001

SPEZIAL: EURO-EINFÜHRUNG AM 1. 1. 2002

In den letzten 180 Tagen bis zur Euro-Bargeldeinführung will die Regierung die Hauptsorge der Österreicher - Teuerungen - zerstreuen. "Wir werden keine Umstellungsgewinnler in Österreich zulassen", betonte Finanzminister Karl-Heinz Grasser (F) bei einer Pressekonferenz in Wien. Bei Verstößen drohen Strafen bis zu 200.000 S. Außerdem wird die Regierung Firmen bei der Umstellung unter die Arme greifen.

Der Bund wird durch Abrundungen bei Tarif- und Gebührensätzen zu Gunsten der Bürger ab 2002 um 250 bis 300 Mill. S (18,2 Mill. Euro bis 21,8 Mill. Euro) weniger einnehmen, obwohl dem Finanzminister freilich jeder Schilling zur Budgetkonsolidierung abgeht, so Grasser.

Weder im privaten Bereich noch im öffentlichen Sektor dürfen umstellungsbedingt Preise, Tarife, Steuern oder Gebühren erhöht werden, bekräftigte Grasser. Man wird mit "Argusaugen" darüber wachen, dass niemand auf ein Körberlgeld spekulieren kann. Das Motto muss lauten: "Neue Währung - gleicher Preis."

Strafen bis 200.000 S für "Umstellungsbetrüger"
Genau auf die Umrechnungspreise achten werden die Preisbehörden und Kontrollore, bei Verstößen drohen saftige Strafen: Bei erstmaligen Verfehlungen 20.000 S pro Fall, im Wiederholungsfall bis zu 200.000 S. Für den Wirtschaftskämmerer Domany war diese Ankündigung Beweis dafür, dass diese Strafen nicht anfallen werden, sonst wären sie ja schon in Euro angegeben.

Firmen können auf Förderungen hoffen
Unternehmen, denen durch die Bargeldumstellung mehr Aufwand entsteht, können auf spezielle Förderungen hoffen. Am Donnerstag kündigte etwa Wiens Finanzstadtrat Sepp Rieder an, dass das Präsidiums des Wirtschaftsförderungsfonds am 17. Juli beraten wird, Mittel aus der Nahversorgungsförderung für diesen Zweck zur Verfügung zu stellen.

Nach der Ende letzter Woche abgeschlossenen Euro-Informationstour werden auch während der Sommermonate Beratungsteams der Euro-Initiative in ganz Österreich unterwegs sein. Unter anderem werden mobile Euro-Informationsstände bei diversen Großveranstaltungen eingesetzt. Von September bis Mitte Dezember macht der "Euro-Train" mit Ausstellungs- und Beratungswaggon in 60 Stationen in Landes- und Bezirkshauptstädten in ganz Österreich halt.

Während der "Euro-Countdown-Phase" wird das Team am Europatelefon (gebührenfrei, Montag bis Freitag 9.00 bis 18.00 Uhr) verstärkt. Laufend aktualisiert und ausgebaut werden die Internetseiten der Initiative (www.euro.gv.at) und des Finanzministeriums (www.bmf.gv.at).

Um finanztechnische Detailfragen ("Sind Euro-Startpakete steuerfrei?", "Was ändert sich bei Reisefreigrenzen?", etc.) zu klären, hat das Finanzministerium in allen Bundesländern Euro-Informationsbeauftragte eingesetzt.

Euro-Call-Center
Mit Euro-Call-Centern starten die Wirtschaftskammern. Seit Wochenbeginn nimmt dieses Call-Center unter der kostenlosen Nummer 0800-221 222 alle Fragen zum Euro entgegen. Ähnlich wie das Europatelefon der Bundesregierung gilt dies allerdings speziell Unternehmerfragen. Parallel dazu läuft mit "e-Euro" ein E-Mail-Service. Euro-Informationen im Internet für die Wirtschaft gibt es unter www.wko.at/euro. Spezielle Brancheninformationen zum Downloaden und zum Versand an 200.000 Firmen sind für August geplant.

Umstellungs-Tipps auch von der Nationalbank
Tipps für den reibungslosen Währungsumtausch gibt auch die Oesterreichische Nationalbank (OeNB). Den Konsumenten wird geraten, sich schon im Vorfeld der Euro-Einführung von überschüssigen Münzreserven zu befreien. Neben weiteren Kleinmünzen-Sammelaktionen caritativer Einrichtungen wird es im Jahresverlauf noch mehrere solcher Sammelaktionen geben. Rund um den Weltspartag sind ebenfalls Aktionen geplant. Die Kreditwirtschaft empfiehlt, unverzinst herumliegende Bargeldreserven noch heuer auf das Konto einzuzahlen.

Bargeld kann ab 2. Jänner 2002 bis 28. Februar 2002 in Haushaltsmengen grundsätzlich kostenlos in den Bankfilialen umgetauscht werden. Für höhere Beträge könnten eventuell Gebühren verrechnet werden. Bei Beträgen über 200.000 S müssen die Banken die Vorlage eines Ausweises verlangen. Bei der Notenbank bzw. beim Münzumtausch bei der Münze Österreich, können restliche Schillingbestände zeitlich unbegrenzt und kostenlos getauscht werden.

Experten-Rat: Umrechnen üben!
In den letzten Wochen vor dem Jahreswechsel sollen die Österreicher vor allem mit dem künftigen Erscheinungsbild des neuen Gelds vertraut gemacht werden. OeNB-Direktor Wolfgang Duchatczek riet am Donnerstag der Bevölkerung, sich insbesondere über die Sicherheitsmerkmale zu informieren. "Und - üben Sie das Umrechnen. Wir müssen lernen, bis Jahresende in Euro zu denken und einzukaufen."

Den Unternehmen rät die Notenbank, spätestens im Dezember überhöhte Bargeldreserven und Kassenbestände abzubauen und sich bei ihren Banken rechtzeitig ausreichende Mengen an Münzpaketen zu besorgen. Restaurants und anderen wechselgeldintensiven Betrieben wird empfohlen, eigene Wechselkassen einzurichten.

9.7.2001 15:24