Dienstag, 10. Juli 2001

Leichnam wird in die Heimat überführt

Die am Montag vor Manavgat nahe Antalya beim Schwimmen im Mittelmeer nach einem Herzinfarkt verstorbene Ski-Olympiasiegerin Christl Haas wird am Samstag (14. Juli) um 10:00 Uhr in ihrem Heimatort St. Johann/Tirol beigesetzt. Der Leichnam der 57-Jährigen wird am Mittwoch aus der Türkei nach Österreich überstellt.

Haas war eine der erfolgreichsten Sportlerinnen in der österreichischen Alpin-Ski-Geschichte. Die dominierende Abfahrerin der sechziger Jahre gewann je ein Mal Olympia-Gold und -Bronze sowie je ein Mal WM-Gold und -Silber.

Haas war am vergangenen Freitag mit ihrer Tochter, ihrem Schwiegersohn und ihren drei Enkelkindern in die türkische Urlauber-Hochburg am Mittelmeer aufgebrochen. Am dritten Urlaubstag herrschte raue See, diese wurde Haas zum Verhängnis. Auf offenem Meer ist sie in den hohen Wellen untergegangen. Die in der Heimat zurückgebliebene Schwester der ehemaligen Spitzensportlerin bestätigte am Montag den tragischen Todesfall in ihrer Familie. Haas wird in den nächsten Tagen in die Heimat überstellt.

Die Abfahrts-Spezialistin eroberte 1962 in Chamonix bei den für den Österreichischen Ski-Verband (ÖSV) bisher erfolgreichsten Weltmeisterschaften in ihrer Paradedisziplin WM-Gold, zwei Jahre später feierte sie mit dem Olympia-Triumph bei den Spielen in Innsbruck ihren größten Erfolg. Dabei führte sie vor Edith Zimmermann und Traudl Hecher den ersten olympischen Dreifach-Erfolg bei den Alpin-Damen überhaupt an.

In Innsbruck errang sie zudem Silber in der Kombination, damals wurden bei Olympischen Spielen allerdings in dieser Disziplin nur WM-Medaillen vergeben. 1968 bei Olympia in Grenoble kam in der Medaillensammlung noch Bronze in der Abfahrt dazu.

Steckbrief Christl Haas (57)
Geb.: 19. September 1943 in Kitzbühel
Gest.: 8. Juli 2001 in Antalya
Wohnort: St. Johann/Tirol
Erlernter Beruf: Fotografin
Ausgeübter Beruf: Inhaberin eines Sportartikelgeschäftes
Eine Tochter, drei Enkelkinder
Größte Erfolge: 1962 Abfahrtsweltmeisterin Chamonix, 1964 Abfahrts- Olympiasiegerin Innsbruck, WM-Kombinations-Zweite Innsbruck, 1968 Abfahrts-Olympiadritte Grenoble

ÖSV-Meistertitel: Abfahrt (1961,1963,1966), Slalom (1966), Kombination (1966,1968)

13.Todesopfer des ÖSV seit 1991
Die schwarze Serie von tödlichen Unfällen von Skisportlern auf und abseits der Piste traf in den vergangenen Jahren vor allem den ÖSV, der mit Haas bereits das 13. prominente Todesopfer seit 1991 zu beklagen hat. Erst am 4. Februar war Skisprungtrainer Alois Lipburger 44-jährig bei einem Autounfall in der Nähe von Füssen tödlich verunglückt.

Eine Aufzählung bekannter österreichischer SkifahrerInnen, die in der Nachkriegszeit auf tragische Weise verstorben sind

Im Skisport:

1959:
Toni Mark (AUT) Wallberg/BRD (Riesentorlauf)
1991:
Gernot Reinstadler (AUT) Wengen (Abfahrtstraining)
1994:
Ulrike Maier (AUT) Garmisch-Partenkirchen (Abfahrt)

Außerhalb des Ski-Rennsports:

1976:
Gertrud Gabl (AUT) kommt am Arlberg in eine Lawine und stirbt.
1984:
Sepp Walcher (AUT) kommt bei einem Hobbyrennen in Rohrmoos ums Leben.
1991:
Rudolf Nierlich (AUT) stirbt bei einem Autounfall in St. Wolfgang.
1991:
ÖSV-Damentrainer Alois Kahr verliert bei einem Autounfall im Ennstal sein Leben.
1992:
Peter Wirnsberger II (AUT) verunglückt beim freien Schilaufen in Altenmarkt/Zauchensee tödlich.
1994:
Christoph Laimer (AUT/Nachwuchskader) erleidet beim freien Skilaufen im Rahmen eines Trainingskurses am Pitztaler Gletscher einen tödlichen Unfall.
1996:
Richard Kröll (AUT/Nationalteam) kommt bei der Heimfahrt mit dem Auto nach einem Herbsttraining ums Leben.
1999:
Der zweifache Langlauf-Olympiateilnehmer Alois Schwarz (AUT/ Langlauf-Betreuer bei der österreichischen Skifirma Fischer) stirbt bei einem schrecklichen Verkehrsunfall auf der Westautobahn.
2000:
Unter den Opfern der Brandkatastrophe in Kaprun befinden sich auch die beiden burgenländischen Snowboard-Landesmeister Arthur Warias und Judith Jindra sowie der vierfache Wiener Ski-Meister Martin Prohaczka.
2001:
Alois Lipburger (AUT/ÖSV-Cheftrainer Sprunglauf) verunglückt auf der Heimfahrt vom Weltcup-Springen in Willingen bei einem Verkehrsunfall in Bayern tödlich.
2001:
Christl Haas, Abfahrts-Olympiasiegerin 1964 in Innsburck und -Weltmeisterin 1962 in Chamonix, ertrinkt während des Sommerurlaubs in Antalya beim Schwimmen im Mittelmeer.

10.7.2001 13:59