Mittwoch, 11. Juli 2001

Alles zum Grand Slam Turnier in Wimbledon

Wimbledon 2001: Die besten Bilder

Kommt der Herr der Asse - in Wimbledon 213 in sieben Spielen - im Herbst nach Wien? Geht es nach Peter Feigl, Turnierdirektor der CA-Trophy, dann ja: "Wenn Ivanisevic dann noch Tenns spielt, ganz sicher in Wien", ist der Ex-Daviscupper im NEWS-Gespräch überzeugt.

Was Feigl so optimistisch macht: In Wien hat Goran bereits zweimal, 1993 gegen Thomas Muster und 1997, gewonnen und damit zwei seiner 13 Tour-Siege geholt. Heuer wäre er das Zugpferd für das Turnier in der Wiener Stadthalle (8. - 14. Oktober).

Kroaten losgelöst
Goran Ivanisevic hat Kroatien mit seinem Triumph in Wimbledon in einen nationalen Freudentaumel gestürzt. Während des dramatischen Finales am Montag waren die Straßen in den Städten des Landes wie leergefegt. Auch Politiker setzten Pressekonferenzen und Termine so an, dass sie ihrem "Helden" auf dem "heiligen Rasen" von Wimbledon die Daumen drücken konnten.

Nach dem Erfolg gegen den Australier Patrick Rafter "feierte ganz Kroatien die Eroberung Wimbledons durch Goran Ivanisevic", beschrieb die kroatische Nachrichtenagentur HINA die Gemütslage der überwältigenden Mehrheit des kroatischen Volkes.

Für einige Augenblicke konnten die Menschen all ihre Schwierigkeiten und Probleme vergessen. Party-time war plötzlich angesagt. In den Städten Kroatiens waren singende Menschen unterwegs, die Nationalflagge mit dem Schachbrettmuster wurde jubelnd geschwungen und zahlreiche hupende Autos bildeten Freudenkonvois. In Split, der Geburtsstadt Ivanisevics, feierten die Menschen die ganze Nacht hindurch.

Politische Elite jubelt mit
Aber auch die politische Elite jubelte über den sportlichen Triumph. Nicht nur vergaßen sie für einen Moment die nicht gerade rosige ökonomische Situation und vor allem die Regierungskrise, die durch die Entscheidung ausgelöst wurde, angeklagte Kriegsverbrecher an das UNO-Kriegsverbrecher-Tribunal in Den Haag auszuliefern. Der Erfolg von Ivanisevic scheint auch aus einem vermeintlich völlig anderen Grund sehr wichtig.

Sport als Ablenkung
Der sportliche Triumph kam für die Regierung nämlich zu einem idealen Zeitpunkt. Denn der Faktor Sport besitzt vor allem auch die Funktion der Ablenkung und der Stärkung des innenpolitischen und gesellschaftlichen Konsens. In diesem Kontext kam der Erfolg von Ivanisevic in einer politisch sehr heiklen Phase "wie gerufen". Nicht mehr die ökonomischen, sozialen und politischen Probleme interessierten die Menschen. Ihre ganze Aufmerksamkeit gilt - zumindest für eine gewisse Zeit - dem Sport.

Vorbild Ivanisevic
Kaum ein Politiker ließ auch die Gelegenheit aus, dem "kroatischen Helden" zu gratulieren. Ministerpräsident Ivica Racan erklärte, dass Ivanisevic ein Beispiel für das ganze Land sei. "Kroatien muss von Ivanisevic lernen, wie wichtig es ist auszuharren und die Schwächen zu überwinden", wurde der Premier von "Vecernji list" zitiert. Ivanisevic habe bewiesen, was man mit Ehrgeiz, Energie und Kraft erreichen könne und sei ein "gutes Beispiel für uns alle", vor allem auch für das Ziel Kroatiens, EU-Mitglied zu werden, meinte Racan.

Lyrischer Präsident
Parlamentspräsident Zlatko Tomcic teilte in seinem Glückwunsch-Telegramm unter anderem mit, dass "die Eroberung Wimbledons nur für die Größten reserviert" sei. Alle kroatischen Herzen hätten "wie eines" mit dem "mutigen sportlichen Herzen" von Ivanisevic mitgeklopft, schrieb Tomic. Auch der kroatische Präsident Stipe Mesic ließ es sich nicht nehmen, Ivanisevic zu gratulieren. "Bravo, Goran und Dank Dir im Namen ganz Kroatiens. Heute hat ganz Kroatien mit Dir geatmet und wir danken Dir, dass Du unseren Namen in das goldene Verzeichnis der Wimbledon-Sieger eingetragen hast. (...) Heute feiert ganz Kroatien dank Deines großen Sieges", wurde der Präsident geradezu lyrisch.

Feiern gehen weiter
Die Jubelfeiern in Kroatien sind noch nicht beendet. Am Dienstagabend wird der frischgebackene Wimbledon-Sieger in seiner Heimatstadt Split erwartet. Bis zu 150.000 Menschen wollen ihren "großen Helden" begrüßen und ihm einen unvergesslichen Empfang, der auch im Fernsehen und Radio live übertragen wird, bereiten. Mehr Menschen werden erwartet als bei der Kundgebung im Februar, als etwa 100.000 Menschen in Split gegen ein Gerichtsverfahren gegen den ehemaligen General Mirko Norac protestierten, der für Kriegsverbrechen an serbischen Zivilisten verantwortlich gemacht wird. Nationalisten und Kriegsveteranen-Verbände forderten damals den Rücktritt von Racan und feierten Norac als Volkshelden.

Ein "Volksheld"
Der einzige "Volksheld" Kroatiens war am Dienstag aber Ivanisevic. Die Ablenkungsfunktion des Sports kam voll zum Tragen. Dass es einen klaren Zusammenhang zwischen Sport einerseits und Politik, Patriotismus, Nation und/oder Nationalismus andererseits gibt, wurde bereits in einigen Studien nachgewiesen. Der "Fall Ivanisevic" scheint ein weiteres Schulbeispiel zu werden.

11.7.2001 12:59