Sonntag, 15. Juli 2001

Israel wegen drohender Anschläge in Alarmbereitschaft

Der israelische Außenminister Shimon Peres und Palästinenser-Präsident Yasser Arafat sind am Sonntag in Kairo zusammengekommen. Sie trafen sich nach separaten Begegnungen mit dem ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak, wie in israelischen Kreisen bestätigt wurde.

Peres hatte nach der Unterredung mit Mubarak gesagt, es gebe nur eine politische Lösung des Nahostkonflikts, keine militärische. Darum müsse Israel mit Arafat weiterverhandeln. Es geht um die Stabilisierung eines Waffenstillstandes, den den USA am 13. Juli vermittelt haben. Die Palästinenser befinden sich seit über neun Monaten im Aufstand für einen eigenen Staat in den israelisch besetzten Gebieten.

Peres dementierte mit seinen Aussagen erneut indirekt Berichte des britischen Fachverlags "Jane's" über Pläne der israelischen Armee, die palästinensische Autonomiebehörde durch wochenlange Angriffe zu zerstören. Aufgrund von Informationen über weitere geplante Anschläge radikaler Palästinensergruppen wurden Polizei und Anti-Terroreinheiten der Armee in Israel in Alarmbereitschaft versetzt. Nach Angaben des öffentlichen Rundfunks wurden die Kontrollen an den Zufahrtstraßen zu allen größeren Städten des Landes sowie am Flughafen von Tel Aviv verstärkt.

Israels Militär entführt Aktivisten des islamischen Jihad
Als palästinensische Gemüsehändler verkleidete israelische Soldaten entführten unterdessen in der Nähe von Bethlehem im Westjordanland einen Aktivisten der radikalen Organisationen Islamischer Jihad, wie Augenzeugen berichteten. Bereits in der Nacht hatte die israelische Armee ein Mitglied von Arafats Fatah in der Nähe von Nablus festgenommen.

In Hebron gingen auch am Sonntag die Auseinandersetzungen zwischen jüdischen Siedlern und ihren palästinensischen Nachbarn weiter. Aus Protest gegen den nach ihrer Ansicht unzureichenden Schutz durch die Armee besetzten Dutzende Siedler am frühen Morgen stundenlang ein Haus im palästinensischen Teil der Altstadt, das früher einmal in jüdischem Besitz war. Zuvor hatten sie erklärt, mit ihrer Aktion auf eigene Faust das unter israelischer Kontrolle stehende Gebiet in Hebron ausdehnen zu wollen.

Hebron: 120.000 Palästinenser, 400 jüdische Siedler
Nach einer Übereinkunft mit der Palästinenserbehörde hatte Israel 1997 rund 80 Prozent Hebrons geräumt. In der Region unter israelischer Kontrolle leben heute noch rund 400 radikale Siedler inmitten von 120.000 Palästinensern. Nachdem Siedler am Samstag palästinensische Nachbarn beschossen und dabei ein achtjähriges Mädchen schwer verletzt hatten, verhängte die Armee am Sonntag über den israelischen Teil Hebrons eine Ausgangssperre.

15.7.2001 14:48