Sonntag, 15. Juli 2001

Indien zieht 20.000 Soldaten aus Kaschmir zurück

Die indische Armee hat am Samstag damit begonnen, 20.000 Soldaten von der pakistanischen Grenze in der Kaschmir-Region zurückzuziehen. Indiens Premier Vajpayee wird voraussichtlich noch dieses Jahr auf Einladung von Militärmachthaber Musharraf nach Pakistan reisen.

Nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Neu Delhi sollen im Laufe der kommenden Woche zunächst 10.000 Soldaten abgezogen sein, der Rest innerhalb eines Monats. Die erste Abzugsphase habe 35 Kilometer von der Winterhauptstadt Jammu entfernt begonnen, teilten hochrangige Beamte mit.

Der pakistanische Außenminister Abdul Sattar sagte in Neu Delhi, seine Regierung sei bisher nicht über einen indischen Truppenrückzug informiert worden. Insgesamt ist die indische Armee mit einer Truppenstärke von mehr als 200.000 Mann in der umstrittenen Region präsent.

Der pakistanische Präsident Pervez Musharraf bekräftigte unterdessen nach Angaben seines Außenstaatssekretärs Inamul Haq die Unterstützung Pakistans für die moslemischen Rebellen in Kaschmir. Die Rebellen würden weiterhin "moralisch und diplomatisch" unterstützt, sagte Musharraf Haq zufolge bei einem Treffen mit politischen Vertretern der Rebellen in Neu Delhi.

Musharraf traf am Samstag zu einem dreitägigen Besuch in Indien ein, in dessen Verlauf er am Sonntag mit dem indischen Premierminister Atal Behari Vajpayee zu einem Gipfeltreffen zusammenkommen will. Während Indien bei dem Treffen auch Handelsfragen, das atomare Wettrüsten und die Bekämpfung des Terrorismus ansprechen will, betont Pakistan, als Gesprächsthema stehe nur Kaschmir auf der Tagesordnung.

Seit 1989 führen moslemische Rebellen dort einen blutigen Unabhängigkeitskrieg. Indien wirft Pakistan vor, die Guerilla militärisch zu unterstützen. Seit 1989 wurden bei Anschlägen und Gefechten im indischen Teil Kaschmirs nach offiziellen Angaben mehr als 35.000 Menschen getötet.

15.7.2001 14:27