Sonntag, 15. Juli 2001

Der FP-Klubobmann im FORMAT-Interview

Peter Westenthaler, FP-Klubobmann, Im FORMAT-Interview über seinen Konflikt mit Ex-Mentor Jörg Haider, den wieder abgeblasenen Rücktritt und zahllose Jobangebote aus der Privatwirtschaft. "Jeder, der sich mit mir anlegt, muss sich darüber im Klaren sein, dass ich mich wehre und nicht in Ehrfurcht erstarre."

FORMAT: Sie behaupten von sich, ein Gerechtigkeitsfanatiker zu sein. Wurden Sie vergangene Woche von Jörg Haider und Susanne Riess-Passer gerecht behandelt?
WESTENTHALER: Nicht immer. Ich gebe aber zu, dass auch ich nicht immer gerecht war. Die Missverständnisse sind aus einem Kommunikationsproblem entstanden. Jetzt sind sie komplett ausgeräumt.

FORMAT: Es heißt, Sie wollten zurücktreten. Wie knapp war die Entscheidung?
WESTENTHALER: Da gibt es keine Maßeinheit, ich möchte dazu nichts sagen.

FORMAT: Die Politik hat Sie wieder?
WESTENTHALER: Ja. Mir war in dieser schwierigen Phase vor allem die Solidarität meiner Abgeordneten wichtig. Das hat mich motiviert, voll weiterzumachen – sowie ein ausgezeichnetes Gespräch mit Haider.

FORMAT: Ihr massiver Konflikt mit Jörg Haider überrascht, gelten Sie doch seit Jahren als Haider-Imitat ohne eigene Meinung.
WESTENTHALER: Es gab Meinungsverschiedenheiten, sonst nichts. Allerdings sollte sich das nicht in der Öffentlichkeit abspielen. Selbst wenn es überrascht: Jörg Haider und ich hatten auch in den vergangenen Jahren dann und wann Meinungsverschiedenheiten. Das wurde intern geregelt. So gehört das auch. Das ist Loyalität. Diesmal hat es sich öffentlich abgespielt. Mir war am Schluss wichtig, festzustellen, ob Haider und ich noch dieselben Ziele haben, für die es sich lohnt zu streiten und zu kämpfen. Das ist der Fall. Vielleicht war es ein Fehler, dass wir uns in der jüngeren Vergangenheit zu selten zusammengesetzt haben.

FORMAT: Sie wurden parteiintern vor allem für Ihr aggressives Vorgehen gegen Erhard Busek, Innenminister Strasser und zuletzt ORF-Generalintendant Gerhard Weis kritisiert. Können Sie nur emotional Politik machen?
WESTENTHALER: Das müssen andere beurteilen. Ich habe eine politische Mission zu erfüllen, muss den Parlamentsklub führen und das Regierungsprogramm umsetzen. Ich sage aber schon eines: Wenn man sich mit mir anlegt, werde ich nie die zweite Wange hinhalten, sondern die Brust herausfahren und die Schultern geradestellen. In der Politik ist Rückgrat gefragt. Das ist halt so. Bei all den aufgezählten Konflikten – ich möchte nur den Ernstl Strasser nicht mit den beiden anderen Herren in ein Boot werfen – gibt es für mich nur ein Motto: Wie in den Wald hineingerufen wird, so schallt es zurück. Wenn ich attackiert werde, stecke ich nicht zurück. Da gibt es eine Anwort von mir, manchmal auch einen veritablen Konflikt. Das ist eben mein Naturell. Schön langsam müßten das meine Gegner wissen.

FORMAT: Mit dem Peter Westenthaler sollte sich niemand anlegen?
WESTENTHALER: Anlegen schon, aber es müssen sich alle darüber im klaren sein, dass ich mich wehre und nicht in Ehrfurcht erstarre.

Was Westenthaler dazu sagt, dass es als aggressivster, ja brutalster Politiker des Landes gilt, über Fehler der letzten Wochen, über die Zukunft des ORF, über die Stimmung innerhalb der Koalition, über einen möglichen Generalstreik, über eine Abstimmung zur EU-Osterweiterung, über eine mögliche Frau Bundeskanzler, darüber, wer in der FPÖ das Sagen hat und über Jobangebote aus der Privatwirtschaft lesen Sie in der aktuellen Ausgabe des Nachrichtenmagazins FORMAT.

15.7.2001 08:46