Erinnerungen: Milosevic im Belgrader Zentralgefängnis

Der frühere jugoslawische Präsident Slobodan Milosevic befindet sich seit zwei Wochen im Gefängnis des UNO-Tribunals für Kriegsverbrechen in Ex-Jugoslawien. Zuhause tobt unterdessen ein Wettkampf unter den Medien, die sich mit exklusiven Berichten über den Aufenthalt des Ex-Staatschefs im Belgrader Gefängnis geradezu überbieten.
Milosevic war am 1. April festgenommen worden und verbrachte die folgenden 90 Tage im Belgrader Gefängnis, während gegen ihn Ermittlungen wegen Amtsmissbrauch und Finanzmachenschaften liefen.
Im "Glas javnosti" konnte man am Donnerstag erfahren, wie die ersten Stunden von Milosevic im Zentralgefängnis verlaufen waren. Gleich nach der Ankunft im Gefängnishof hatte sich Milosevic gemäß Blanusa bei seiner Gattin Mira Markovic gemeldet. Der Ex-Präsident war in Begleitung des DOS-Spitzenfunktionärs Cedomir Jovanovic und des Befehlshabers der Spezialpolizeieinheit, Milorad Lukovic Legija, eingetroffen. Er trug keine Handschellen, erinnert sich der Gefängnisverwalter.
"Danas" will wissen, dass Milosevic beim ersten Telefongespräch mit seiner Frau vom Gefängnishof das Handy von Jovanovic benutzt hatte.
Der Gefangene, der in der Zelle Nr. 1121 in einem im Vorjahr umgebauten Gefängnistrakt untergebracht worden war, sollte sich laut "Danas" mit seiner Gattin und sonstigen Besuchern nicht im üblichen Besucherraum, sondern in einem ganz normalen Gefängnisraum in Anwesenheit eines Wächters getroffen haben. Dies könnte als Abweichung von der Hausordnung verstanden werden, meint das Blatt.
Mirka Markovic hatte täglich Mahlzeiten mitgebracht. Milosevic selbst hatte keine Einwände gegen die Gefängniskost, erinnern sich sowohl Blanusa wie auch anonyme Wächter. Die serbische Bohnensuppe, die ihn an die Wehrdienstzeit erinnerte, liebte er besonders. Den Tee durfte er sich laut "Danas" selbst zubereiten. Meistens trank er einen Obsttee.
Blanusa will andererseits wissen, dass Milosevic am ersten Tag im Gefängnis viel geraucht hatte. Ein Päckchen serbischer Billigzigaretten der Marke "Drina" hatte sich der frühere Zigarrenraucher bei einem der Wächter ausgeborgt.
"Danas" berichtet auch, dass Milosevics Tochter Marija (Bild) ihren Vater seltener besucht hatte. Sie konnte sich auch nur schwer der Gefängnisordnung anpassen, beruft sich das Blatt auf das Gefängnispersonal.
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