Drei Tote und Dutzende Verletzte

Die anhaltende Welle der Gewalt im Nahen Osten hat gut zwei Wochen nach der Vereinbarung für eine Waffenruhe drei Menschenleben und Dutzende von Verletzten gefordert. Es kam mehrfach zu Schusswechseln und zu einer Bombenexplosion in den palästinensischen Gebieten.
Im Westjordanland starb ein Mitglied der radikalen Hamas bei einer Explosion. In Gaza erschossen israelische Soldaten einen Palästinenser, der sie Armeeangaben zufolge beim Entschärfen einer Bombe mit einer Granate beworfen hatte. Anlass für die Eskalation war der Tod eines Israelis, der bei einem Überfall von Palästinensern erschossen worden war. Israel rächte Angriffe auf jüdische Siedler mit schwerem Panzerbeschuss.
Der getötete Israeli war Mitglied des Stadtrats von Kiriyat Arba, einer jüdischen Siedlung nahe Hebron. Er hatte zusammen mit anderen Stadträten den Ort besucht, an dem kürzlich ein israelischer Autofahrer beschossen und verletzt worden war. Aus dem palästinensisch kontrollierten Teil Hebrons wurde das Feuer auf die Gruppe eröffnet. Der Mann starb durch einen Schuss in den Rücken, ein weiterer Israeli wurde verletzt. Israelische Soldaten beschossen daraufhin von Panzern aus mehrere Gebäude, stießen Augenzeugenberichten zufolge in die Stadt vor und zerstörten drei Polizeiwachen sowie eine Stellung der Leibgarde von Palästinenser-Präsident Yasser Arafat. Mindestens zwei palästinensische Polizisten und 21 Zivilisten wurden verwundet.
Es waren die schwersten Zusammenstöße in Hebron seit Wochen. Nach Angaben des israelischen Rundfunks zogen sich die Soldaten am Vormittag in den von Israel kontrollierten Sektor von Hebron zurück. In der Stadt mit 120.000 Einwohnern leben unter dem Schutz von Hunderten von Soldaten auch rund 400 jüdische Siedler. Bei dem Beschuss der Armee wurden nach palästinensischen Angaben zahlreiche weitere Gebäude beschädigt. In ganz Hebron fiel kurzzeitig der Strom aus.
Bei der Explosion einer Bombe starb im Westjordanland ein palästinensischer Aktivist. Der 27-jährige Fawas Badran war Mitglied des militärischen Flügels der radikal-islamischen Hamas-Bewegung. Er kam ums Leben, als in Tulkarem ein vor seinem Geschäft geparktes Auto explodierte, wie aus palästinensischen Kreisen verlautete. Badran sei gerade vom Freitagsgebet zurückgekommen und dabei, die Tür zu öffnen, als der Sprengsatz detonierte. Daraufhin beschossen Palästinenser bei Tulkarem einen Posten der israelischen Armee, die das Feuer erwiderte und dabei auch Panzer einsetzte. Verletzte gab es dabei offenbar nicht. Die Hamas macht Israel für den Tod Badrans verantwortlich. Sein Name stand auf einer Liste gesuchter Extremisten, die Israel den palästinensischen Behörden übergeben hatte.
Der israelische Ministerpräsident Ariel Sharon forderte unterdessen bei seinem Besuch in Rom die Europäer auf, den Druck auf Arafat zu erhöhen, die Gewalt zu stoppen. Italien sollte sich beim bevorstehenden G-8-Gipfel in Genua für eine "Erklärung gegen den Terrorismus" einsetzen. Friedensverhandlungen könne es "erst nach einem vollständigen Ende von Gewalt und Terrorismus" geben. Sharon beschuldigte die Palästinensische Autonomiebehörde, "direkt in Terrorakte verwickelt" zu sein. Der Gegner müsse "verstehen, dass er einen Preis für seine Anschläge zahlen muss", sagte Sharon. Großflächige Angriffe auf Palästinenser-Gebiete schloss er aber aus. Die Vergeltungsschläge müssten "unmittelbar und präzise" erfolgen.
Israel ließ unterdessen wieder mehr palästinensische Arbeiter aus dem Gazastreifen nach Israel. Nach dem Bombenanschlag am Strand von Tel Aviv vor sechs Wochen mit 22 Toten waren die Bestimmungen massiv verschärft worden. Am Freitag durften auch verheiratete Frauen über 25 Jahre und Händler über 40 Jahre zur Arbeit nach Israel, meldete der israelische Rundfunk.
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