Donnerstag, 12. Juli 2001

SPEZIAL: Hanneslore Kohl

Bilder von den Begräbnis-Feierlichkeiten

Mit versteinertem Gesicht und Tränen in den Augen hat Alt-Bundeskanzler Helmut Kohl am Mittwoch im Dom zu Speyer Abschied von seiner Frau genommen. Die an einer schweren Lichtallergie leidende Hannelore Kohl hatte sich vor einer Woche in ihrem Haus in Oggersheim das Leben genommen. In ihrem letzten großen Interview erzählt die ehemalige First Lady über ihre Krankheit, ihre Ehe und ihr Engagement für ZNS-Geschädigte.

Der Geistliche Monsignore Erich Ramstetter, ein langjähriger Freund der Familie, griff in seiner Predigt beim Trauergottesdienst die Medien scharf an.

Ramstetter hatte für Hannelore Kohls Tod öffentlich auch die Berichterstattung über die CDU-Spendenaffäre mitverantwortlich gemacht. Er sprach in seiner Predigt von "Unterstellungen, Verleumdungen und Hasserfahrungen", die das Ehepaar Kohl habe erleiden müssen, von einer Konfrontation mit den "zerstörenden und auf Vernichtung zielenden Kräften". Ramstetter sagte: "Ich weiß nicht, ob es denen bewusst ist, was es bedeutet, einem Menschen die Ehre rauben zu wollen. Das zielt immer auf Leben und Lebenskraft." Am Nachmittag wurde Hannelore Kohl im Familiengrab in Ludwigshafen beigesetzt.

Zur Trauerfeier in den mächtigen Speyerer Dom waren mehrere tausend Menschen gekommen. Unter ihnen: Der deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD), EU-Kommissionspräsident Romano Prodi und zahlreiche Ministerpräsidenten. Der mit einem großen Strauß roter Rosen geschmückte Sarg Hannelore Kohls wurde am Vormittag in der mittelalterlichen Kathedrale aufgestellt. Einen großen Kranz mit gelben Rosen hatte Bundeskanzler Gerhard Schröder geschickt.

Hunderte von Menschen, teilweise mit Campingstühlen ausgerüstet, hatten schon seit dem frühen Morgen auf die Öffnung der Domtore um 12.00 Uhr gewartet. Die Kirche füllte sich innerhalb weniger Minuten mit Trauergästen, Schaulustigen und Journalisten. Nach Polizeischätzungen nahmen etwa 1.500 Menschen im Dom und weitere 1.500 bis 2.000 außerhalb der mit Absperrgittern gesicherten Kathedrale an der katholischen Totenmesse für die evangelische Hannelore Kohl teil.

Der geschichtsbewusste Kohl hatte während seiner Amtszeit häufig Staatsgäste in das gewaltige romanische Gotteshaus geführt, das im Jahr 1030 geweiht wurde und die Gräber der Salier-Kaiser beherbergt.

Das Requiem hätte nach dem Willen der Kohls eigentlich eine private Familienfeier werden sollen. Nach Angaben der Stadtverwaltung waren aber zwischen 300 und 400 Journalisten angereist. Allein 150 Gäste hatten sich aus der Politik angemeldet. So war fast die gesamte Führungsspitze der Union vertreten, darunter auch Parteichefin Angela Merkel, Fraktionsvorsitzender Friedrich Merz und CSU-Chef Edmund Stoiber.

Helmut Kohl hatte den Dom etwa eine halbe Stunde vor Beginn des Requiems betreten, begleitet von seinen Söhnen Peter und Walter und ihren Frauen. Beim Eintreffen des Alt-Bundeskanzlers erhoben sich die Gäste von ihren Bänken, um dem gefasst wirkenden Altkanzler die Ehre zu erweisen. Kohl stand anschließend mit versteinerter Miene mehrere Minuten am Sarg seiner Frau. Einige Trauergäste kondolierten ihm, der ehemalige Außenminister Hans-Dietrich Genscher umarmte den Altkanzler.

Monsignore Ramstetter, der auch Hannelore Kohl seit Jahrzehnten gekannt hatte, war in seiner Predigt selbst hörbar den Tränen nah, mehrmals versagte ihm die Stimme. Helmut und Hannelore Kohl waren mehr als 41 Jahre verheiratet gewesen.

12.7.2001 11:48