"Jeder Schluck ist ein neuer Griff nach der Seligkeit"

"Er lebte sehr intensiv. Er hat ein langes Leben aus seinen 27 Jahren gemacht." So wird Keyboarder Ray Manzarek in dem Buch "The Doors - In eigenen Worten" zitiert. Der Musiker meint seinen Bandkollegen Jim Morrison, der am 3. Juli vor 30 Jahren in Paris tot aufgefunden wurde.
Um das Ende des Sängers ranken sich noch heute Gerüchte. Und auch der Mythos lebt weiter, denn Platten der Doors finden auch im Zeitalter von MTV und Hitradio immer noch Käufer.
Sexsymbol und Todesengel
Die Doors unterschieden sich deutlich von allen anderen Gruppen. In hautengen schwarzen Lederhosen, mit der dunklen Lockenmähne und dem klagenden oder wütenden Gesang glich Morrison einem schönen Todesengel. Seine Faszination hatte sicher auch mit seinem Sex-Appeal zu tun. Den Doors gelang es, Ängste und Sehnsüchte der Zeit in Musik auszudrücken.
Die Aufnahmen zum letzten regulären Doors-Album "L.A. Woman" waren noch nicht ganz abgeschlossen, als Morrison mit seiner Lebensgefährtin Pamela Courson am 10. März 1971 Hals über Kopf nach Paris flog. "Jim ist nach Frankreich gegangen, weil er in ein künstlerisches Umfeld eintauchen wollte; er wollte weg von Los Angeles, weg vom Rock'n'Roll, weg von der Sensationspresse, die ihm ständig an den Fersen hing", so Manzarek "In eigenen Worten".
Todesursache nie vollständig geklärt
Die Leiche von Morrison wurde am Morgen des 3. Juli 1971 von der französischen Filmemacherin Agnes Varda gefunden. Der tote Musiker - offiziell lautete die Diagnose auf Herzversagen - lag in der Badewanne seiner Wohnung im historischen Marais-Viertel. Immer wieder tauchen seitdem Gerüchte auf, zumal keine Autopsie durchgeführt wurde und nur wenige Menschen die Leiche gesehen haben. Von einer Überdosis bis zu Verschwörungstheorien reichen die Spekulationen.
"Die Wahrheit ist, niemand weiß, wie Jim Morrison starb", schreiben Jerry Hopkins und Daniel Sugerman in der Biografie "Keiner kommt hier lebend raus". "Wenn je ein Mann fertig, willens und bereit zum Sterben war, dann war es Jim. Sein Körper war alt geworden, seine Seele müde." Manche Fans glauben übrigens, dass der Musiker noch lebt. Realistischere Anhänger beschränken sich auf einen Besuch des Grabes in Paris.
"Nichts was er nicht getrunken oder geschluckt hätte"
"Ich kann mir alles so einteilen, dass ich auf einer Ebene bleibe: Jeder Schluck ist ein neuer Griff nach der Seligkeit", sagte Morrison 1968. Und Schlagzeuger John Desmore betonte 1980: "Es gab nichts, was er nicht geschluckt oder ausprobiert hätte, nur um sich noch mehr reinzusteigern. Ich glaube, er war fest entschlossen, sich selbst zu zerstören. Ich weiß nicht, wie lange wir unter diesen Umständen noch zusammen geblieben wären."
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