Donnerstag, 5. Juli 2001

2002/2003 wird neues System in Österreich eingeführt

Keine Zukunftsmusik, sondern bald Realität: Künftig werden sich die Menschen für finanzielle Transaktionen nicht mehr Geheimzahlen merken müssen, sondern es genügt ihr Fingerabdruck. Ermöglicht wird dies durch "ekey bionomic systems" - eine Entwicklung eines Konsortiums unter der Führung der Voest-Alpine Stahl Linz.

Das neue System wird seit bereits zwei Monaten im Rahmen eines "Feldversuchs" von 500 Mitarbeitern in der Werkskantine der Voest-Alpine Stahl erprobt. Der Identifikationsprozess, der mit dem Auflegen des Fingers auf einen Sensor beginnt, dauert nur acht Sekunden. Irrtümliche oder unfreiwillige Identifikationen, wie sie etwa bei Gesichts- oder Stimmerkennung möglich wären, seien bei Fingerabdrücken ausgeschlossen, so Projektleiter Roman Mandyczewsky.

Kleinere Verletzungen - beispielsweise Schnitte - würden sich nicht auf das Scan-Ergebnis auswirken, da immer noch genügend Fingermerkmale zur Verfügung stehen. Berührungsängste mit dieser neuen Technologie hat es bisher nicht gegegeben, berichtete das Vorstandsmitglied der Voest-Alpine Stahl Linz GmbH, Gert Kincel. Erste Ergebnisse einer Akzeptanzstudie zeigen, dass drei Viertel der Befragten bereit sind, mit Hilfe des ekey-Systems zu bezahlen.

Nach den Plänen der Projektleiter und -partner soll das Bezahlen per Fingerabdruck bald in vielen Bereichen des täglichen Lebens möglich sein. "Die primäre Zielgruppe sind Online-Shops und Geldinstitute", so der Leiter des seit Frühjahr 2000 laufenden Projekts "ekey bionomic systems", Mandyczewsky.

Aber auch der Einsatz des Fingerabdruckes bei anderen Anwendungen wie Bargeldbehebung bei Bankomaten, Bezahlung an Supermarktkassen oder Zutrittskontrollen soll bald nicht mehr nur Zukunftsmusik sein. Darauf setzen vor allem die Projektpartner aus dem Banken- und Kreditkartenbereich (Visa, Oberbank, Bawag, RLB OÖ) sowie aus dem IT-Sektor (Compaq, Informix, Voest-Alpine Mechatronics, Huber Computer) und der Biometrie Spezialist Desly.

Durch die Einzigartigkeit des menschlichen Fingerabdrucks könnten auch Passwörter, deren Vergessen einer Studie zufolge den Unternehmen jährlich 200 US-Dollar (237 Euro/3.256 S) pro Mitarbeiter kostet, bald der Vergangenheit angehören, meinte Kincel. "Ab 2002/2003 wird ekey zunächst in Österreich, dann in Deutschland und in der Schweiz eingeführt. Bis zum Jahr 2007 sollte das Bezahlen per Fingerscan weltweit verfügbar sein", beschrieb er das weitere Vorgehen.

5.7.2001 18:08