Mittwoch, 4. Juli 2001

Coffee-Shops boomen seit kurzem in Deutschland

In anderen Ländern zählt die US-Coffee-Shop-Kette Starbucks bereits zu einem Fixpunkt an der Kaffeefront. In den deutschen Metropolen zwischen Berlin und München erleben Coffee-Shops seit kurzem einen rasanten Boom. Nun eröffnet Starbucks seine erste Filiale in Wien. Ob die amerikanischen Kaffee-Mixturen eine Konkurrenz für die echte Wiener Melange darstellen, bleibt abzuwarten.

Caffe Latte, Macchiato Caramel, Cafe Americano, Frappuccino oder Espresso con Panna - so heißen einige Favoriten des Publikums, die an riesigen italienischen Espressomaschinen zubereitet werden. Renner sind aromatisierte Kaffees mit Geschmacksrichtungen von Amaretto bis Vanille. Dazu isst man ein Bagel mit Lachs, ein Ciabatta mit Ruccola oder ein Sandwich. Alles ist frisch zubereitet, nicht gerade billig und natürlich auch zum Mitnehmen. Genau das Richtige für das Publikum, das überwiegend "jung, erfolgreich und immer in Eile" ist.

"Viele Leute haben genug vom Kännchen Kaffee, die wollen ein Genusserlebnis." So beschreibt Daniela Loest, Gebietsleiterin bei der Hamburger Coffee-Shop-Kette "Balzac" den neuen Trend an der Kaffeefront. Rund 200 edel gestylte Kaffeebars gibt es bundesweit bereits und es werden immer mehr.

"Wir erwarten mittelfristig mindestens 1.000 Coffee-Shops in Deutschland, denn der Boom wird mindestens noch fünf Jahre anhalten", prophezeit Vincent Schlüter von der Coffee Association of Europe (SCAE) in Hamburg.

Bis auf den Gehsteig reicht die Schlange zur Mittagszeit vor der Balzac-Filiale unweit des Hamburger Rathausmarktes. Vor drei Jahren eröffnete Balzac seinen ersten Coffee-Shop, mittlerweile sind es acht, und in jeden strömen täglich bis zu 1.000 Gäste. Ein paar Straßenecken weiter bei "World Coffee" steht man bei Jazzklängen ebenfalls geduldig nach Kaffeespezialitäten und Snacks in der Schlange. Deutschlands größte Coffee-Shop-Kette betreibt derzeit 18 Filialen, und will schon bald in über 200 Bars "Entspannung in metropolitaner Hektik" bieten.

Das Konzept der Coffee-Shops stammt aus den USA vom Kaffeegiganten Starbucks. Dieser Name ist das Synonym für das große Kaffee-Business. 1987 startete Gründer Howard Schultz seinen ersten Coffee-Shop, inspiriert von italienischen Espressobars. Heute betreibt seine AG rund 4.000 Filialen in 25 Ländern mit einem Jahresumsatz von fünf Milliarden Mark. Mit aller Macht will Schultz nun den deutschen Markt erobern und bis 2005 rund 1.400 Filialen eröffnen, wie er jüngst auf der Internorga ankündigte.

Auch Tchibo und Jacobs folgen Trend
Allmählich entdecken auch die großen Kaffeeröster die neue Kaffeelust. So will Tchibo, wo man seit 1995 Kaffee ausschenkt, bis Ende 2002 seine 260 Läden modernisieren, und ihnen "mit hellen Möbeln und Chrom ein neues Design geben", wie Alexandra Grabner von der Hamburger Zentrale betont. Schon jetzt gebe es in 50 Tchibo-Filialen frisch gebrühten Kaffee zum Mitnehmen. "Parallel überarbeiten wir unser gesamtes Angebotsprogramm", sagt Grabner.

Kaffeeröster Jacobs testet den Markt mit zwei "J Cups"-Filialen in Berlin. Hier will man die 16 bis 29-Jährigen mit dem neu erfundenen Fertiggetränk gleichen Namens begeistern. Es bestehe aus Kaffee, Milch und einem "gewissen Extra" und sei mit 65 Grad Temperatur "sofort trinkfertig", sagt Jacobs-Sprecherin Nicola Oppermann. "Wir möchten damit eine Marktnische für junge Leute erschließen." Die hat sich aber offenbar noch nicht aufgetan, denn bisher sind die Umsätze "verhalten", wie Oppermann einräumt.

4.7.2001 12:43