Donnerstag, 5. Juli 2001

Juni-Gehälter werden in 10 bis 12 Tagen ausbezahlt

Das Managementteam der im Ausgleich befindlichen Buch- und Medienhandelskette Libro geht davon aus, innerhalb von drei Jahren wieder Gewinne zu schreiben. Bis dahin will sich der Konzern "gesundschrumpfen" und sich von allen Bereichen trennen, die nicht zum Kerngeschäft gehören. Über ein konkretes Kaufangebot wird derzeit nicht verhandelt. Für Lion.cc heißt es: rasch verkaufen, sonst droht der Konkurs.

Für die Libro-Internettochter Lion.cc muss rasch ein Käufer gefunden werden, sagte Libro-Vorstandssprecher Werner Steinbauer vor Journalisten. Lion.cc hat derzeit "ausreichend Eigenkapital, aber keine Liquidität" und "verbrennt monatlich 15 Mill. S". Sollte nicht sehr rasch ein Käufer gefunden werden, sieht er keine andere Möglichkeit als einen Konkurs. Die WAZ, die rund 30 Prozent an Lion.cc hält, hat "vor zwei bis drei Wochen" die Verträge zur Abdeckung der Verluste gekündigt.

"Es gibt Libro, Libro sperrt nicht zu". Mit diesen Worten gab der neue treuhändische Libro-Mehrheitseigentümer Gottwald Kranebitter, zusammen mit dem neuen Vorstandssprecher Werner Steinbauer am Mittwoch bei einem Pressegespräch erste Details zur notwendigen Sanierung der im Ausgleich befindlichen Libro-Gruppe bekannt.

Ein "konkretes Kaufangebot" liegt derzeit nicht vor, betonte Kranebitter. Er wünscht sich einen Partner, der "strategisch zum neuen Konzept von Libro" passt: "Wenn von Styria ein angemessenes Angebot kommt, werden wir das sehr genau und wohlwollend prüfen" so Kranebitter, der auch die Investorenkontakte koordiniert.

Sanierungsstrategie: "Gesundschrumpfen"
Libro soll wieder werden, was er war: ein Nahversorger mit Selbstbedienung und günstigen Preisen, betonte Steinbauer. Die "nicht zum Kerngeschäft zählenden Beteiligungen" wie die Internet-Tochter Lion.cc, das Schweizer CD-Online-Portal in der Schweiz und die Libro Entertainment sollen rasch verkauft werden. Das Deutschlandgeschäft soll bis Ende August komplett geschlossen sein.

Deutschland-Engagement kostete 900 Mill.S
Von den bestehenden 19 Libro-Filialen in Deutschland sind mit heutigem Tag bereits 14 geschlossen worden, berichtete Libro-Vorstandssprecher Werner Steinbauer am Donnerstag bei einem Pressegespräch. Nach- und Untermieter für die Filialen sind bereits gefunden worden, bis Ende August sollen alle Deutschland-Filialen und auch die Zentrale in München geschlossen werden.

Die reinen Schließungskosten bezifferte Steinbauer heute mit 60 bis 70 Mill. S (bis 5,09 Mill. Euro). Insgesamt kostet der Rückzug aus Deutschland 300 Mill. S, da auch Bankkredite behaftet sind. In Summe hat das Deutschland-Engagement den Libro-Konzern - inklusive der Verluste der vergangenen beiden Jahre - 900 Mill. S gekostet.

"Man muss sozusagen die kranken Arme abschneiden und sich wieder voll auf das Kerngeschäft konzentrieren und sparen, sparen, sparen", beschrieb Kranebitter das Konzept.

Bis Ende Juli/Mitte August soll konkret festgelegt werden, wieviele Filialen geschlossen und wieviele Mitarbeiter abgebaut werden, sagte Steinbauer. Basis dafür ist das Gutachten des Beratungsunternehmens Roland Berger. Darin wird die Schließung von 30 defizitären Libro und 6 Amadeus-Standorten vorgeschlagen. Dies muss aber noch geprüft werden, weil auch strategische Standorte darunter sind. Die Frage ist dort, wie sich die neue Sortiments-Politik - Papier, Bücher und CDs, keine Handys oder andere beratungsintensive Waren mehr - auf die Umsätze auswirkt. Die Libro-Filialen sollen jedenfalls künftig nicht mehr größer als 200 bis 600 m2 sein, die Zielgruppe bleiben die 12 bis 30-Jährigen.

Amadeus wird ausgegliedert
Amadeus soll in ein eigenes Unternehmen ausgegliedert werden, ein Verkauf ist aber nicht vordringlich. Ob es auch eine Neupositionierung der Fachbuchhandlungen geben wird, ist noch offen. Bei den 6 Filialen, die derzeit im "Schließungsstatus" sind, wird ebenfalls noch geprüft.

Finanzierung bis Ende September gesichert
Für die Sanierung stehen derzeit 300 Mill. S neue Banken-Kreditlinien sowie 200 Mill. S eigene Liquidität zur Verfügung, so Steinbauer. Der neue Kreditrahmen ist bis jetzt nicht in Anspruch genommen worden. Mit diesen Mitteln ist die Finanzierung des Unternehmens bis Ende September gesichert.

Im laufenden Geschäftsjahr 2001/02 wird ein Verlust von 400 Mill. S anfallen, im zweiten Jahr "ein mittlerer zweistelliger Millionenbetrag". Im dritten Jahr soll dann bereits wieder ein Gewinn geschrieben werden, konkretisierte der neue Vorstandssprecher. Die Sanierungsverluste sind durch das aus dem Gläubigerverzicht entstehende Eigenkapital gedeckt.

Über die Libro AG war am 29. Juni der Ausgleich eröffnet worden. Kranebitter geht davon aus, dass bei der Ausgleichstagsatzung am 21. September der Ausgleich angenommen wird.

5.7.2001 16:40