Dienstag, 3. Juli 2001

Vermögenssituation muss jetzt geklärt werden

Die Konzentration im Telekom-Markt hat ein neues Opfer gefordert: Über den auf Geschäftskunden spezialisierten Wiener Telekom-Betreiber Netnet Telekommunikation GmbH ist gestern, Montag, der Ausgleich eröffnet worden, teilte der KSV am Dienstag mit. Netnet hat Verbindlichkeiten gegenüber anderen Unternehmungen in der Höhe von 108,6 Mill. S angehäuft.

Das Unternehmen beschäftigt 31 Mitarbeiter. Die Netnet gehört zum World Access Konzern, der sich selbst in der Krise befindet. Die Vermögenssituation von Netnet muss vom Ausgleichsverwalter Georg Freimüller noch geklärt werden. Bei der Ausgleichstagssatzung am 21. August werden die Gläubiger dann entscheiden, ob der Ausgleich angenommen wird.

Wie hoch ist die Überschuldungtatsächlich?
Laut vorliegendem Vermögensstatus werden die Aktiva laut KSV mit 26,5 Mill. S (1,93 Mill. Euro) angegeben. Die Passiva betragen zu Buchwerten 120,7 Mill. S. Darin enthalten sind allerdings Verbindlichkeiten gegenüber Konzernunternehmen in Höhe von 108,6 Mill. S. Diese Verbindlichkeiten haben nach Einschätzung des Unternehmens Eigenkapital ersetzenden Charakter und hätten demnach keinen Teilnahmeanspruch am Ausgleich. Sollte diese Annahme richtig sein, betragen die tatsächlich im Ausgleich zu berücksichtigenden Passiva nur mehr 30,5 Mill. S (inklusive insolvenzbedingter Zusatzpassiva) und die Überschuldung daher "nur" 4 Mill. S.

Die Insolvenz ist laut Netnet darauf zurückzuführen, dass beträchtliche Verluste verzeichnet wurden. 1999 betrug der Verlust 62 Mill. S, im Jahr 2000 war das Ergebnis ähnlich. Eine weitere Finanzierung aus dem Konzern sei nicht zu erwarten.

Gläubigern wird 40% angeboten
Den Gläubigern wird die gesetzliche Quote von 40 Prozent, zahlbar innerhalb von 2 Jahren ab Annahme angeboten. Der KSV werde sich für eine Verbesserung des Ausgleichsvorschlages einsetzen, hieß es.

Die Konzernobergesellschaft World Access Konzern hat am 24. April Gläubigerschutz nach Chapter 11 beantragt. Auch über eine weitere Konzernfirma, die FaciliCom International GmbH, wurde am 28. Juni beim Handelsgericht Wien das Ausgleichsverfahren eingeleitet.

Verkauf als Sanierungsmaßnahme
Als Sanierungsmaßnahme für Netnet sei außerdem geplant, Teile des Unternehmens oder das gesamte Unternehmen zu veräußern oder gemeinsam mit den Konzerngesellschaften einen Investor zu finden, der den weiteren Fortbetrieb finanzieren könnte, teilte der Alpenländische Kreditorenverband (AKV) mit.

3.7.2001 14:52