Dienstag, 3. Juli 2001

Folge der abgeschwächten Konjunktur

Ende Juni ist die Arbeitslosigkeit in Österreich im Jahresabstand wieder deutlich gestiegen: Mit 163.015 Arbeitslosen waren beim Arbeitsmarktservice (AMS) um 6.628 oder 4,2 Prozent mehr Jobsuchende gemeldet als noch im Vorjahr. Im Gegensatz dazu blieb die Arbeitslosenquote in der EU im Mai unverändert gegenüber dem Vormonat April bei 8,3 Prozent.

Gegenüber dem Vormonat ging die Arbeitslosigkeit saisonbedingt um 11.842 oder 6,8 Prozent zurück. Die nach EU-Standards erhobene Arbeitslosenquote stieg gegenüber dem Vorjahr von 3,7 auf 3,8 Prozent, die nach nationalen Kriterien errechnete Arbeitslosenquote lag mit 4,9 Prozent um 0,2 Prozentpunkte über dem Vorjahreswert.

Vor allem Ausländer und Männer betroffen
Vom Anstieg der Arbeitslosigkeit betroffen waren vor allem die Männer. Während die Zahl der jobsuchenden Frauen gegenüber dem Vorjahr nur leicht gestiegen ist (plus 1.176 oder 1,5 Prozent), nahm die der Männer um 5.452 oder 6,9 Prozent deutlich zu.

Mehr als die Hälfte des Arbeitslosenanstiegs entfiel auf AusländerInnen: Dort gab es um 4.514 oder 25,3 Prozent mehr Jobsuchende als im Vorjahr. Die Zahl der arbeitsuchenden InländerInnen lag um nur 2.114 oder 1,5 Prozent über dem Niveau des Vorjahres.

Stärkster Anstieg bei den Saisonberufen
Gegenüber dem Vorjahr stieg die Arbeitslosigkeit in allen drei großen Berufsbereichen. Die relativ stärksten Zunahmen gab es bei den Saisonberufen (plus 2.588 oder 8,4 Prozent), die durch eine starke Zunahme der Arbeitslosigkeit im Baubereich verursacht wurde. Zugenommen hat die Arbeitslosigkeit auch im Dienstleistungsbereich (plus 1.898 oder 2,4 Prozent) und in den Produktionsberufen (plus 2.163 oder 4,7 Prozent). Betroffen waren vor allem Personen aus Reinigungs-, Handels-, Verkehrs-, Metall/Elektro- und Hilfsberufen.



Arbeitslosigkeit nach Altersgruppen
Nach Altersgruppen sank die Zahl der Jobsuchenden im Juni nach Angaben des AMS wie schon im Vormonat Mai nur mehr bei den über 50-jährigen Personen (minus 1.250 oder 3,2 Prozent). Bei Jugendlichen (15- bis unter 25-jährige) stieg die Zahl der Jobsuchenden gegenüber dem Vorjahr deutlich um 2.612 oder 12,4 Prozent, bei den Arbeitslosen im Haupterwerbsalter um 5.266 oder 5,5 Prozent.

Nur in Oberösterreich stieg Arbeitslosigkeit nicht
Regional stieg die Arbeitslosigkeit in allen Bundesländern außer Oberösterreich (-2,1 Prozent) und Vorarlberg (-1,9 Prozent). Relativ am stärksten war das Plus in Salzburg (+10,8 Prozent), im Burgenland (+10 Prozent) und Tirol (+9,5 Prozent). In Niederösterreich legte die Arbeitslosigkeit dagegen lediglich um 5,3 Prozent zu, in Wien um 4,5 Prozent, in der Steiermark um 3,5 Prozent, in Kärnten um 3,4 Prozent.

Weniger offene Stellen
Die Zahl der gemeldeten offenen Stellen war in allen Bundesländern rückläufig, am stärksten in Wien (-28,8 Prozent), Salzburg (-26,3 Prozent) und Niederösterreich (-16,2 Prozent). Insgesamt waren Ende Juni 33.288 offene Stellen gemeldet (minus 6.717 oder -16,8 Prozent).

Die durchschnittliche Dauer der Arbeitslosigkeit war im Juni d.J. mit 107 Tagen um 18 Tage kürzer als ein Jahr davor. Jene 67.144 Personen, die im Juni aus der Arbeitslosigkeit schieden, waren somit laut AMS im Schnitt etwas über 3 1/2 Monate arbeitslos vorgemerkt. Die Abgänge aus der Arbeitslosigkeit legten im Berichtsmonat um 2.095 oder 3,2 Prozent auf 67.144 zu, stärker wuchsen dagegen die Zugänge zur Arbeitslosigkeit mit +6.999 oder 16,4 Prozent auf 49.676.

2.223 suchen Lehrstelle
Am Lehrstellenmarkt standen Ende Juni 2.223 Lehrstellensuchende insgesamt 2.727 offenen Lehrstellen gegenüber. Die Zahl der Stellen stieg gegenüber Juni 2000 mit plus 266 oder 10,8 Prozent schwächer als die Zahl der Lehrstellensuchenden (plus 302 oder 15,7 Prozent).

Arbeitslosenquote in EU
Eurostat, das Statisitsche Zentralamt der EU, schätzt, dass im Mai 2001 in der Eurozone 11,3 Millionen und in der EU-15 13,2 Millionen Menschen ohne Arbeit waren.

Österreich hat niedrige Quote, Spanien die höchste
Die niedrigsten Arbeitslosenquoten verzeichneten laut Eurostat die Niederlande (2,3 Prozent im April), Luxemburg (2,4 Prozent), Österreich (3,7 Prozent), Irland (3,8 Prozent) und Portugal (3,9 Prozent). Spanien hatte mit 12,9 Prozent weiter die höchste Arbeitslosenquote der EU.

3.7.2001 12:21