Montag, 2. Juli 2001

"Ehepaar war durch die Flucht nervlich am Ende"

Im Zusammenhang mit der Insolvenz der Firmengruppe Steiner gibt es nun weitere Festnahmen. Der frühere Firmenchef Leopold Steiner und seine Frau sind am Montag am Gardasee in Italien verhaftet worden.

Sie waren seit 31 Tagen flüchtig. Vor allem dem Ex-Firmenchef werden Betrug und Geldwäsche vorgeworfen. Die Familie Steiner soll 1,2 Milliarden Schilling über Wechselbetrügereien aus der Firmengruppe abgezweigt haben. Der Junior-Chef Alfred und 2 Mitarbeiter sitzen schon länger in U-Haft.

Das Ehepaar Steiner war zur jener Zeit, als die Insolvenzen der Firmengruppe bekannt und die Ausgleiche beziehungsweise die Konkurse angemeldet wurden, in Italien auf Urlaub. In der Folge kehrte das Ehepaar nicht nach Österreich zurück, es wurde daraufhin ein Haftbefehl erlassen und eine internationale Fahndung eingeleitet, nachdem Sicherheitsbehörden und Gericht Ermittlungen aufgenommen hatten.

Vorerst war unklar, wo sich das Ehepaar aufhielt. Man sei aber, so wurde bei einer Pressekonferenz der OÖ. Sicherheitsdirektion am Montagmittag erläutert, davon ausgegangen, dass Leopold Steiner und seine Frau im Schengen-Raum bleiben würden, weil die Ausreise in ein Drittland zu riskant gewesen wäre und vermutlich sofort zur Verhaftung geführt hatte.

In letzter Zeit verdichteten sich die Hinweise, dass die Steiners noch in Italien sind. Zwei Spezialisten des OÖ. Landesgendarmeriekommandos reisten an den Gardasee. In Zusammenarbeit mit der italienischen Polizei gelang es schließlich, ein verdächtiges Fahrzeug - mit Münchener Kennzeichen - in Bardolino am Gardasee - auszuforschen. Mit diesem Auto war Leopold Steiner zuletzt unterwegs gewesen.

Am Montagmittag um 12.00 Uhr war es dann soweit: Die italienische Polizei durchsuchte im Beisein der beiden oberösterreichischen Beamten ein Appartement in Bardolino. Dort stieß man auf das im Schlafzimmer versteckte Ehepaar Steiner. Beide ließen sich widerstandslos festnehmen. "Sie waren durch die Flucht nervlich am Ende", berichteten die Beamten. Man hatte vorsorglich einen Arzt beigezogen, da es Hinweise gab, dass Leopold Steiner gesundheitlich angeschlagen sei. Der Arzt konstatierte bei dem Ehepaar Haft- und Transportfähigkeit.

Leopold Steiner und seine Frau wurden von der italienischen Polizei nach Verona gebracht, sie kommen in Auslieferungshaft. Wann sie nach Österreich überstellt werden, ist noch unklar.

Das Appartement, in dem sich das Ehepaar versteckt hatte, und der Pkw mit Münchener Kennzeichen gehören einer deutschen Staatsbürgerin. Gegen sie - eine gute Bekannte der Steiners - wurden Ermittlungen wegen des Verdachts der Begünstigung der Flucht eingeleitet.

In der Pressekonferenz erläuterten die Ermittler der Kriminalabteilung der oberösterreichischen Gendarmerie, warum bei Leopold Steiner der Verdacht des schweren gewerbsmäßigen Betrugs bestehe, wobei aber die Unschuldsvermutung gilt.

Leopold Steiner soll schon in den Jahren 1988 und 1989 mit fiktiven Geschäften und Wechselfinanzierungen begonnen haben. Er soll auch - so der Verdacht - Aufwertungen durch fiktive Lagerbestände vorgenommen haben, "statt drei Millionen Schilling 250 Millionen Schilling", so ein Ermittler bei der Pressekonferenz. Und Steiner habe auch, so der Verdacht, gegenüber den Banken "volle Auftragsbücher" und entsprechende Umsätze vorgetäuscht. Seine Gattin habe davon gewusst, daher laufe gegen sie ebenfalls die Voruntersuchung wegen des Verdachts des schweren gewerbsmäßigen Betrugs als Beteiligte.

2.7.2001 21:16