Samstag, 7. Juli 2001

Alles zum Grand Slam Turnier in Wimbledon

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Die besten Wimbledon-Bilder

Die 19-Jährige Justine Henin konnte nach ihrem Halbfinalsieg gegen Jennifer Capriati an nichts anderes denken als an den wichtigsten Tag ihrer noch jungen Karriere als Tennisprofi. "Jetzt will ich auch den Titel", sagte die Belgierin, und es war ihr egal, wer die Gegnerin am Samstag im Endspiel der 115. All England Championships sein würde. Nun wurde es Venus Williams.

Auch die Amerikanerin Williams könne sie schlagen, meinte die Weltranglisten-Neunte. Schließlich habe sie die an Nummer zwei gesetzte Titelverteidigerin gerade erst bei den German Open geschlagen. Und was in Berlin geklappt hat, könne auch in Wimbledon nicht unmöglich sein, dachte sie laut über den Ausgang des finalen Spiels auf dem "Heiligen Rasen" nach.

Das belgische Damen-Tennis ist jedenfalls zu beneiden. Nach den French Open steht auch in Wimbledon eine Belgierin im Endspiel, Henin könnte Kim Clijsters in der Popularität in ihrem Heimatland noch abhängen, wenn sie tatsächlich den ersten Grand-Slam-Titel für Belgien holt. Die dortige Presse überschlägt sich mittlerweile in Superlativen: "Weltklasse. Welch Triumph!", "Wer kann Justine Henin stoppen?" lauten die Schlagzeilen und "Le Soir" erinnert daran, dass Henin vor sechs Monaten noch ein Mädchen auf Platz 45 der Weltrangliste war.

Es scheint nicht unmöglich, dass die "Zukunft des Tennis" schon auf dem berühmtesten Gras dieses Planeten zum Wechsel ruft. Eine kuriose Vorstellung, denn auch Williams zählt erst 21 Lenze. Doch Justine Henin ist nicht nur jung, zäh und ungeheuer zielstrebig. Sie ist trotz ihrer Jugend schon eine außergewöhnliche Tennisspielerin. "Ihre Rückhand ist die beste auf der Tour", behauptet Altmeister John McEnroe, "bei Damen und Herren." Eine Rückhand, mit der auch Barbara Schett im Achtelfinale in Paris unliebsam Bekanntschaft gemacht hatte.

Ihr Paradeschlag, den sie (übrigens ähnlich wie Barbara Schwartz) einhändig beherrscht, was allein schon erwähnenswert ist, war auch gegen die zweifache Grand-Slam-Siegerin Capriati ihre "schärfste Waffe". Damit vorzüglich ausgerüstet, bog sie ein schon verloren geglaubtes Match in drei Sätzen noch um.

Grosses Vorbild: Steffi Graf
Steffi Graf ist das große Vorbild des in Lüttich geborenen und im wallonischen Marloie wohnenden Schützlings von Coach Carlos Rodriguez. In Sachen Rückhand übertrifft sie ihr Vorbild sogar schon, denn jene von Henin ist druckvoller. Sie spielt weniger Slice, sondern überreißt die Schläge mehr. Das private Match trägt sie mit ihrem Verlobten Pete Yves-Pierre aus, der zwar ein Tennis-Coach ist, aber nicht mit Justine trainiert. "Er reist mit mir, aber wir spielen nicht Tennis. Er mag es nicht zu verlieren", verriet Henin mit einem Lachen.

Venus Williams' stärkste Waffe: Der Aufschlag
Das Pendant zur Rückhand der Belgierin ist der Aufschlag von Venus Williams. Neben acht Assen gewann sie 74 Prozent ihrer ersten Aufschläge. "Wenn ich gut serviere, ist jedes Match so viel einfacher für mich", sagt Williams. Und es mache ihre Gegnerinnen auch nachdenklicher. Unterschätzen wird sie Henin sicher nicht. "Du musst schon sehr gut spielen, um ins Endspiel von Wimbledon zu kommen", meinte die Titelverteidigerin, die sich aber auch selbst stark einschätzt. "Ich spiele, glaube ich, sogar besser, als im Vorjahr in dieser Phase."

7.7.2001 16:50