Freitag, 6. Juli 2001

Damoklesschwert "Doping" schwebt über der Tour

Tour de France 2001: Streckenübersicht

Ein Duell wird die 88. Auflage der Tour de France prägen, die am Samstag mit dem Prolog in Dünkirchen beginnt und über 3.456 km nach Paris führt: Lance Armstrong gegen Jan Ullrich. Der Rest des Feldes fährt nach Ansicht aller Experten nur um Platz drei.

Der US-Amerikaner will dabei den Hattrick, den dritten Sieg in Serie nach 1999 und 2000. Ein Kunststück, das bisher nur Louison Bobet (1953-55), Jacques Anquetil (1961-64), Eddy Merckx (1969-72) und Miguel Indurain (1991-95) geschafft haben. Und es gibt nur Wenige, die trotz Ullrich gegen den willensstarken Texaner wetten.

Der 29-jährige US-Amerikaner, seit dieser Woche auch Nummer eins der Weltrangliste, bewies mit seinem Sieg bei der Tour de Suisse im Vorfeld des drittgrößten Sportereignisses der Welt nach Olympischen Spielen und Fußball-WM seine gute Form. "Meine psychische Verfassung ist so gut wie nie", versprach Armstrong. Der, so scheint es, nicht nur das "Treble" will. Denn unlängst hat er seinen Vertrag bei US Postal für angeblich umgerechnet 380 Millionen Schilling (27,6 Mill. Euro) bis 2004 verlängert - genau die richtige Zeitspanne, um den Rekord von fünf Tour-Erfolgen noch zu übertreffen. Zudem ist er auch privat "ein sehr glücklicher Mensch": Seine Frau erwartet im Dezember Zwillinge.

Ullricht "Herausforderer" von Champ Armstrong
Da bleibt auch für den 27-Jährigen Ullrich, vom Talent her vielleicht sogar eine Klasse besser, aber nicht mit dem eisernen Willen Armstrongs ausgestattet, nur die Rolle des Herausforderers. Aber der Telekom-Star hat sich heuer gut wie schon lange nicht vorbereitet, will unbedingt seinen zweiten Sieg nach 1997. "Ich bin bereit. Ich werde Armstrong einen großen Kampf liefern", ließ er verlauten. Mit ein Grund, warum sich alle auf den Zweikampf einstellen: Die beiden haben die besten Mannschaften hinter sich. Telekom gab dem Gesamtsieg von Ullrich sogar den Vorrang gegenüber Sprinter Erik Zabel, der ohne speziellen Helfer auskommen muss.

Der Parcours führt in diesem Sommer über 3453 km, kürzer war die "Tour der Leiden" seit der Gründung im Jahr 1903 nur zwei Mal. Aber leichter wird es deshalb sicher nicht, denn vier Bergankünfte sowie vier Prüfungen gegen die Uhr (inklusive Prolog und Mannschaftszeitfahren) sind die Hindernisse auf dem Weg nach Paris. Und vor allem zwischen der 10. und 14. Etappe wird es hart: Schluss-Anstieg nach Alpe d'Huez, tags darauf ein Bergzeitfahren von Grenoble nach Chamrousse und nach einem Ruhetag drei Etappen in den Pyrenäen mit zum Teil sechs Pässen (!) pro Teilstück.

Armstrong: Dopingsünder "aus dem Sport werfen"
Doch genau so brennend wie das Duell ist auch in diesem Jahr das über dem Tour-Tross schwebende Damoklesschwert "Doping". Das bestätigt auch Tour-Direktor Jean-Marie Leblanc: "Es schwebt über Doping-Sündern heute so bedrohlich wie nie." Auch wenn die Vorkommnisse beim diesjährigen Giro knapp drei Jahre nach dem wohl doch nicht heilsamen Schock der Doping-Tour 1998 ohne große Auswirkungen auf die Frankreich-Rundfahrt blieben. Die Verhöre der Staatsanwaltschaft in Florenz gegen 86 verdächtige Personen, bei denen Medikamente gefunden wurden, die auf der Doping-Liste stehen, gehen langsam voran.

Doch auch die Fahrer wissen, dass es wieder Razzien geben kann. "Alles kann passieren, niemand gab uns eine Garantie, dass Dinge wie beim Giro nicht mehr vorkommen", beschwerte sich Armstrong. "Aber wir hoffen alle, dass wir das nicht durchmachen müssen. Aber wenn die Justiz meint, dass sie die Tour und die Fahrer jagen müssen, dann haben sie wohl auch das Recht dazu." Dabei ist Armstrong für ein hartes Vorgehen gegen Doping-Sünder: "Jemand der erwischt wird, wie er ein persönliches Risiko eingeht, sollte aus dem Sport geworfen werden."


88. Tour de France (7.7.-29.7.2001; 3.462 km), alle Etappen

Prolog (7.7.)
EZF Dünkirchen *
8,2 km/ab 16.00 Uhr
01. Etappe (8.7.)
St. Omer – Boulogne-sur-Mer
198 km/ab 12.40 Uhr
02. Etappe (9.7.)
Calais – Antwerpen (BEL)
200 km/ab 12.10 Uhr
03. Etappe (10.7.)
Antwerpen – Seraing (BEL)
199 km/ab 12.05 Uhr
04. Etappe (11.7.)
Huy (BEL) – Verdun
210 km/ab 11.50 Uhr
05. Etappe (12.7.)
MZF Verdun – Bar-le-Duc *
67 km/ab 14.05 Uhr
06. Etappe (13.7.)
Commercy – Straßburg
220 km/ab 12.10 Uhr
07. Etappe (14.7.)
Straßburg – Colmar
162 km/ab 12.50 Uhr
08. Etappe (15.7.)
Colmar – Pontarlier
220 km/ab 11.40 Uhr
09. Etappe (16.7.)
Pontarlier – Aix-les-Bains
185 km/ab 12.40 Uhr
10. Etappe (17.7.)
Aix-les-Bains – L'Alpe d'Huez (BAK)
208 km/ab 10.30 Uhr
11. Etappe (18.7.)
EZF Grenoble – Chamrousse*
32 km/ab 12.00 Uhr
12. Etappe (20.7.)
Perpignan – Aix-les-Thermes (BAK)
166 km/ab 11.55 Uhr
13. Etappe (21.7.)
Foix – Saint-Lary-Soulan (BAK)
194 km/ab 10.20 Uhr
14. Etappe (22.7.)
Tarbes – Luz-Ardiden (BAK)
144 km/ab 12.50 Uhr
15. Etappe (24.7.)
Pau – Lavaur
226 km/ab 11.00 Uhr
16. Etappe (25.7.)
Castelsarrasin – Sarran
224 km/ab 11.25 Uhr
17. Etappe (26.7.)
Brive-la-Gaillarde – Montlucon
200 km/ab 12.30 Uhr
18. Etappe (27.7.)
EZF Montlucon – St-Amand-Montrond*
61 km/ab 10.45 Uhr
19. Etappe (28.7.)
Orleans – Evry
160 km/ab 13.40 Uhr
20. Etappe (29.7.)
Corbeil-Essonnes – Paris
150 km/ab 13.00 Uhr

* EZF ... Einzelzeitfahren
* MZF ... Mannschaftszeitfahren


88. Tour de France (7.7.-29.7.2001; 3.462 km), alle Etappen

1960
Gastone Nencini (Italien)

1961
Jacques Anquetil (Frankreich)

1962
Jacques Anquetil (Frankreich)

1963
Jacques Anquetil (Frankreich)

1964
Jacques Anquetil (Frankreich)

1965
Felice Gimondi (Italien)

1966
Lucien Aimar (Frankreich)

1967
Roger Pingeon (Frankreich)

1968
Jan Janssen (Niederlande)

1969
Eddy Merckx (Belgien)

1970
Eddy Merckx (Belgien)

1971
Eddy Merckx (Belgien)

1972
Eddy Merckx (Belgien)

1973
Luis Ocana (Spanien)

1974
Eddy Merckx (Belgien)

1975
Bernard Thevenet (Frankreich)

1976
Lucien van Impe (Belgien)

1977
Bernard Thevenet (Frankreich)

1978
Bernard Hinault (Frankreich)

1979
Bernard Hinault (Frankreich)
89. Gerhard Schönbacher
1980
Joop Zoetemelk (Niederlande)
85. Gerhard Schönbacher
1981
Bernard Hinault (Frankreich)
112. Gerhard Schönbacher
1982
Bernard Hinault (Frankreich)

1983
Laurent Fignon (Frankreich)

1984
Laurent Fignon (Frankreich)

1985
Bernard Hinault (Frankreich)

1986
Greg LeMond (USA)

1987
Stephen Roche (Irland)
14. Gerhard Zadrobilek
1988
Pedro Delgado (Spanien)
21. Gerhard Zadrobilek
1989
Greg LeMond (USA)
42. Helmut Wechselberger
1990
Greg LeMond (USA)

1991
Miguel Indurain (Spanien)

1992
Miguel Indurain (Spanien)
50. Harald Maier
1993
Miguel Indurain (Spanien)

1994
Miguel Indurain (Spanien)

1995
Miguel Indurain (Spanien)
37. Georg Totschnig
1996
Bjarne Riis (Dänemark)
5. Peter Luttenberger
1997
Jan Ullrich (Deutschland)
13. Peter Luttenberger
1998
Marco Pantani (Italien)
27. Georg Totschnig
1999
Lance Armstrong (USA)
20. Georg Totschnig
2000
Lance Armstrong (USA)
21. Peter Luttenberger

6.7.2001 13:26